Paläontologie trifft Politik - Erste Reaktionen aus Politik und Medien auf den Offenen Brief

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Moderator: Sönke

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Sönke
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Paläontologie trifft Politik - Erste Reaktionen aus Politik und Medien auf den Offenen Brief

Beitrag von Sönke » Mittwoch 4. November 2020, 02:01

Betrifft:
Paläontologie trifft Politik - Erste Reaktionen aus Politik und Medien auf unseren Offenen Brief

Kurzfassung:
Im August und September 2020 unterzeichneten 1041 Paläontologen, Amateurpaläontologen und Fossilieninteressierte unseren Offenen Brief mit dem Titel "Vorschlag zur Novellierung der paläontologischen Denkmalschutzgesetzgebung in Nordrhein-Westfalen". Ein in dieser Größenordnung ungeahnter Erfolg, der aufzeigte, wie dringend die bestehenden Probleme behoben werden müssen, um weiteren Schaden von unserem paläontologischen Erbe abzuwenden und die Rahmenbedingungen paläontologischen Sammelns und Forschens zukünftig zu verbessern. Zwischenzeitlich haben sich erste Reaktionen aus der Politik ergeben. Das Medienecho war bescheiden, doch erschien in der November-Ausgabe von "Politik & Kultur", der Zeitschrift des Deutschen Kulturrats, ein Artikel mit dem Thema "Fossilien und Recht: Warum unser paläontologisches Naturerbe bedroht ist und wie wir es retten können", der online nachlesbar ist. Ferner wird auf eine diesjährige Richtungsdiskussion innerhalb der professionellen Paläontologie hingewiesen, bei der es z. B. um Fragen der Zusammenarbeit mit Amateurpaläontologen und den Verbleib in wissenschaftlichen Arbeiten abgebildeten Materials geht.

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Eure Kommentare, Anmerkungen sowie Sinn- und Sachverwandtes zum obigen Stand der Dinge sind willkommen!

Viele Grüße
Sönke

danylo
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Re: Paläontologie trifft Politik - Erste Reaktionen aus Politik und Medien auf den Offenen Brief

Beitrag von danylo » Donnerstag 5. November 2020, 20:50

Lieber Sönke,

danke für Dein großes Engagement, das Du in unzähligen (unbezahlten) Arbeitsstunden für uns alle erbringst!
Es freut mich, dass dies ein Echo und Erfolge nach sich zieht!
Die wenigsten von uns kennen leider persönlich irgendeinen Politiker, wenn aber ja, sollten die es Dir gleich tun!
Mehr als tausend Worte kann dann möglicherweise ein schönes Fossilgeschenk bewirken-
wir sind ja sinnliche Wesen und be-greifen besser, wenn wir etwas in Händen halten!

Danke nochmal und Respekt
Danylo
...reich ist, wer zufrieden ist mit dem, was er hat!

Liebe Grüße, Danylo

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Sönke
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Re: Paläontologie trifft Politik - Erste Reaktionen aus Politik und Medien auf den Offenen Brief

Beitrag von Sönke » Freitag 20. November 2020, 16:07

Lieber Danylo und alle, die sich mit Danksagungen unter Deinem und meinem Beitrag eingereiht haben und alle weiteren Interessierten:

Danke für das zum Weitermachen motivierende Feedback! :)

Zwischenzeitlich kann ich noch vermelden, dass ich inzwischen ein viel versprechendes 45-minütiges Gespräch mit einem CDU-Politiker zur Sache hatte. Das novellierte Gesetz soll in dieser Legislaturperiode den Landtag von NRW passieren. Wir bleiben in Kontakt und ich hoffe, dass vielleicht jetzt schon im Ministerium eine inhaltliche Befassung mit unseren Vorschlägen stattfindet. Zumindest in der parlamentarischen Phase (ab 1. Lesung im Landtag) sehe ich gute Chancen für eine Diskussion. Es wäre aber natürlich wesentlich einfacher, wenn schon auf ministerialer Ebene manche Punkte berücksichtigt würden, sodass man nicht bei "0 anfängt", wenn der Entwurf ins Parlament kommt. Bezüglich NRW sehe ich es im Augenblick als einzige realistische Chance für erste Änderungen im Sinne der Paläontologie an, dass man im Rahmen dieser Novellierung auf Anpassungen einzelner Vorschriften drängt. Wie man einen großen Wurf im Sinne eines eigenen Paläontologie-Gesetzes in ganz Deutschland erreichen kann, ist fraglich. Bis jetzt fehlen für einen solchen größeren Ansatz politische Unterstützer und wir Fossilienfreunde müssten uns dafür auch breiter aufstellen. Die von mir angeschriebenen Bundesministerien verwiesen erstmal zuständigkeitshalber weiter (die erwartete logische Reaktion, da die Gesetzgebungskompetenz für Vieles eben bei den Ländern liegt, außer bzgl. des Bergrechts). Immerhin will ja die AG Denkmalpflege des Kultusministerkonferenz noch über das Thema sprechen, was sich nach einer geeigneten Plattform anhört.

Wegen bergrechtlicher Fragen habe ich inzwischen auch das hierfür zuständige Bundesministerium für Wirtschaft und Energie involviert, indem ich unser Schreiben mit einem Anschreiben dorthin übermittelt habe.

Nebenbei sind natürlich auch viele Politiker derzeit sehr stark mit der Coronakrise befasst und werden mittlerweile diesbezüglich mit Nachrichten überflutet, sodass der E-Mailverkehr kaum mehr händelbar ist. Da halte ich mich im Augenblick lieber zurück. Speziell in NRW wird Corona aber den geplanten Gesetzgebungsprozess wohl nicht überlagern. Darauf konzentriere ich mich daher jetzt erstmal weiter, ohne die bundespolitische Relevanz unseres Aufrufs ganz aus den Augen zu verlieren.

Mein Artikel in "Politik & Kultur" wird erfreulicherweise aktuell als "Text der Woche" im kulturpolitischen Wochenreport (47. KW) des Deutschen Kulturrats nochmals weiterverbreitet: http://115940.seu2.cleverreach.com/m/12333863/

Viele Grüße
Sönke

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oztrail
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Re: Paläontologie trifft Politik - Erste Reaktionen aus Politik und Medien auf den Offenen Brief

Beitrag von oztrail » Donnerstag 26. November 2020, 23:46

Hallo zusammen,

natürlich habe ich Sönkes Aktion im September 2020 unterstützt. Jetzt hatte ich das Glück im zweiten Anlauf (1. Termin wurde wegen Corona verschoben) einen Landtagsabgeordneten der SPD des Landes Rheinland-Pfalz in einem Vier-Augen-Gespräch zu treffen. Neben meiner Funktion in meiner Gemeinde und entsprechenden Themen, die es zu besprechen galt, nahm ich die Chance war, auch das Thema Denkmalschutzgesetz (DSchG) Landesrecht Rheinland-Pfalz in Bezug auf Paläontologie anzusprechen. Dieses ist meinem Wissen nach, dass für einen Sammler schärfste im Bund. Eigentlich begeht man als Paläontologe in Rheinland-Pfalz fast immer einen Rechtsbruch, wenn man im Gelände unterwegs ist.

Das geplante einstündige Gespräch dauerte insgesamt drei Stunden. Natürlich ging es nicht nur um Paläontologie, aber Herr Denninghoff interessierte sich sehr für das Thema und die Problematik. Ihm war dies so nicht bekannt. Ich brachte einige Fossilien als Anschauungsmaterial mit. Was man anfassen kann, ist eben greif- und fassbarer. Meinen herzlichen Dank auch an Sönke, der mir ein Schreiben überlies bezüglich der Gesetzesnovellierung, welches ich dem Landtagsabgeordneten übergab.

Er versprach mir während des konstruktiven Austauschs, sich dem Thema zu widmen. Wir werden sehen, aber ich werde auch entsprechend nachhaken. Vielleicht wäre eine konzertierte Aktion der Rheinland-Pfälzischen (Amateuer-)Paläontologen eine gute Sache, um dem Ganzen auch einen Anschub zu geben. Ich bin zwar nicht supervernetzt, aber nun ist schon mal eine Tür geöffnet. Denn nur gemeinsam mit Schulterschluss können wir was bewegen.

Viele Grüße, Uwe
Wissen und Willen sind nicht nur orthografisch ähnlich, sie sind eng miteinander verbunden.
(U.J. - 23.06.2010)

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Re: Paläontologie trifft Politik - Erste Reaktionen aus Politik und Medien auf den Offenen Brief

Beitrag von Sönke » Freitag 27. November 2020, 01:23

Hallo Uwe,

herzlichen Dank für Dein Engagement!

Ich hatte gestern auch noch ein Telefonat mit dem Ministerium, das für die Gesetzesnovelle in NRW zuständig ist und werde zur Teilnahme an den Verbandsanhörungen (stellv. für unsere Unterzeichner, denen ich das zu verdanken habe) wohl berücksichtigt, sobald ein neuer Entwurf "auf dem Markt" ist. Man wollte grundsätzlich noch mal bestätigen, dass man sich mit unserem Brief durchaus befasst.

Insofern sind wir in NRW jetzt - dank der Mitzeichnungsaktion! - ziemlich eng dran am ohnehin laufenden Gesetzgebungsprozess. Das heißt zwar noch gar nichts, aber grundsätzlich sind alle mit denen ich sprach nicht abgeneigt gewesen und haben auch die Argumente in wesentlichen Zügen verstanden.

Ich bleibe in NRW am Ball.

In Rheinland-Pfalz würde aus meiner Sicht nur eine Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen den für mehr Grabungs- und Forschungsergebnisse sowie Sammelerlebnisse bitter benötigten Schulterschluss zwischen Wissenschaftlern, Denkmalpflegern und Sammlern ermöglichen. Die Katze beißt sich aber da etwas in den Schwanz, da man eigentlich schon - wie wir das für NRW (Westfalen) im Großen und Ganzen zu haben scheinen - für eine erfolgversprechende Initiative in Richtung Politik weitgehende Einigkeit im Fachbereich bräuchte.

Für RL-P bräuchte es im Vorfeld vielleicht eine Art Paläontologie-Kongress, wo Amateure und Denkmalpfleger zusammenkommen, um einen "Klimawandel" herbeizuführen und gemeinsam Vorschläge an die Politik heranzutragen. Aktuell läuft da wohl so einiges schief und das ist kein Ausweis ausgewogener Gesetzgebung, sondern eher von Nichtakzeptanz eines schlecht gemachten Gesetzes durch die paläontologisch interessierte Bevölkerung. Ohne, dass ich das im Einzelnen bewerten kann oder will... das ist nicht Schwarz und Weiß. Die Wahrheit liegt, wie meist, irgendwo auf der Mitte der Interessen aller Beteiligten.

Schöne Grüße
Sönke

Simon F. Zoppe
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Re: Paläontologie trifft Politik - Erste Reaktionen aus Politik und Medien auf den Offenen Brief

Beitrag von Simon F. Zoppe » Freitag 27. November 2020, 09:28

Tach Zusammen :)

@ Uwe: Ich hatte mich vor geraumer Zeit einmal mit dem Denkmalschutzgesetz von Rheinland-Pfalz eigens etwas beschäftigt und der Grad an Restriktionen scheint wirklich enorm zu sein. Wenn ich so fragen darf: Stehst Du an dieser Stelle mit Denkmalpflegern von Rheinland-Pfalz im Kontakt bzw. könntest über die aktuelle Situation etwas schildern, inwieweit das gezielte Suchen nach Fossilien nach derzeitigem Stand erlaubt bzw. genehmigungspflichtig ist? Wird hierbei auch differenziert zwischen Fossilfunden aus dem anstehenden Gestein und losem, herausgewittertem Material (Lesesteinen), wie es z. B. in NRW so gängig ist ? Du kannst mir hierzu natürlich auch eine PN schreiben ;)

...Obwohl...

@ Sönke: Wäre es an dieser Stelle nicht von Interesse, einen neuen Thread zu gründen, in welchem über die aktuelle Gesetzeslage im jeweiligen Bundesland berichtet werden könnte (Soweit dies nach aktuellem Stand und individueller Kenntnislage zumindest möglich wäre)? Hier könnten sich doch die einzelnen Steinkern-Mitglieder mit einbringen, welche engeren Kontakt zu den Landesämtern haben. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dadurch zumindest näher auf die Rechtsgrundlage in den einzelnen Bundesländern hingewiesen werden könnte und dies dadurch eine ergänzende Hilfestellung für die einzelnen Sammler/-innen sein kann?

Falls ein solcher Thread schon existiert, wäre mein Kommentar natürlich vernachlässigbar ;)

Viele Grüße,
Simon
Zuletzt geändert von Simon F. Zoppe am Donnerstag 3. Dezember 2020, 17:17, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Paläontologie trifft Politik - Erste Reaktionen aus Politik und Medien auf den Offenen Brief

Beitrag von Sönke » Freitag 27. November 2020, 11:03

Hallo Simon,

es hat Gründe, dass es dazu nichts im Forum gibt, obwohl der Wunsch mehrfach aufkam, denn die Interpretation von Gesetzen ist schwierig und nicht unsere Aufgabe. Wir können höchstens untereinander weitergeben, was wirklich eindeutig ist oder auf die Rechtsgrundlagen verlinken.

Aus dem Grund der Schwierigkeit von Interpretationen hatte ich, da es in RL-P traditionell großes Konfliktpotenzial gibt, vor einigen Jahren einmal mit dem damaligen Ansprechpartner Herrn Wuttke ausgemacht, dass er eine Zusammenfassung der rechtlichen Situation für Paläontologen und Fossiliensammler in RL-P für Steinkern.de gibt. Leider hat er die getroffene Absprache aber vergessen / nicht eingehalten und ist inzwischen im Ruhestand.

Für NRW gibt es hier https://www.lwl-naturkundemuseum-muenst ... h-richtig/ eine (übrigens in dieser Form sehr neue!) Zusammenfassung. Dort wird jetzt auch Bezug auf das Danekrae genommen (und etwas suggeriert, wir hätten es schon... nagut, zumindest gehen die Entwicklungen hier in eine richtige Richtung :roll: ).

Von Denkmalpflegebehörden, die mit Sammlern kooperieren möchten, sollte man ähnliche Internetauftritte erwarten, wie jenen des LWL für Westfalen.
Bezüglich der Bundesländer, in denen es nur eine hinsichtlich der Paläontologie komplett passive archäologische Denkmalpflege gibt, die die Paläontologie formal mitverwaltet, muss man sich gut überlegen, ob man die bei jetziger Gesetzeslage einschaltet, wenn es nicht unbedingt sein muss (im Falle herausragender Funde, die Meldepflichten auslösen auf jeden Fall den gesetzlichen Weg beschreiten, auch wenn´s haarig wird!). Da fehlt nämlich teils jedes Verständnis für die Materie und Gesetze werden überschießend interpretiert. Von sich aus tun die Zuständigen dagegen seit Inkrafttreten der Gesetze vor Jahrzehnten überhaupt nichts.

Ich möchte mich erstmal darauf konzentrieren, die gesetzlichen Grundlagen zu verbessern, das ist sachdienlicher als den bestehenden Kram sammlerseitig zu interpretieren.

Natürlich ist jeder frei darin, seine individuellen Erfahrungen hier im Forum weiterzugeben! Besonders auch positive Erfahrungen, weil diese dazu animieren können, dass sich noch mehr Zusammenarbeit ergibt und Vorbehalte abgebaut werden, dort wo sie unberechtigt sind.

Persönlich kann ich nur dazu ermuntern, überall dort wo es kooperationswillige Denkmalpfleger gibt, hier auch sammlerseitig die Zusammenarbeit zu suchen.

Mit Leuten, die dem Fossilien sammeln ablehnend oder gar offen feindseelig gegenüberstehen, sollte man nur Kontakt aufnehmen, wenn man es wirklich muss.

Schöne Grüße
Sönke

Simon F. Zoppe
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Re: Paläontologie trifft Politik - Erste Reaktionen aus Politik und Medien auf den Offenen Brief

Beitrag von Simon F. Zoppe » Freitag 27. November 2020, 14:36

Hi Sönke,

erst einmal vielen Dank für Deine Rückmeldung! Eine Rechtssicherheit durch eine hier im Forum gesammelte Zusammenfassung, kann natürlich auch nicht gewährleistet werden und war auch nicht meine Absicht dahinter. Aber ich stimme Dir auf jeden Fall zu, die aktuellen Entwicklungen erst einmal abzuwarten. Insoferndessen ist Deine Anmerkung auf jeden Fall nachvollziehbar ;)

Der neue Homepage-Auftritt des LWL ist mir so jetzt auch neu. Ich finde ihn so aber auch recht gut. Besonders die Differenzierung zwischen losem Material und Funden aus dem Anstehenden wird darin ganz gut erläutert! :)

Viele Grüße,
Simon

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