Paläontologischer Arbeitskreis Bünde

In diesem Forum haben Sammlergruppen und Vereine die Möglichkeit sich vorzustellen und über ihre Veranstaltungen zu informieren, auch um Hobby-Einsteigern die Möglichkeit zu geben, Gleichgesinnte aus ihrer Region kennenlernen zu können und einen guten Austausch mit erfahrenen Lokalsammlern zu ermöglichen.

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Re: Paläontologischer Arbeitskreis Bünde

Beitrag von Sönke » Montag 17. September 2018, 14:01

Hallo!
Stephanoceras hat geschrieben:
Montag 17. September 2018, 11:41
Im Namen der Zuhörer kann ich Katja Waskow nur ganz herzlich Danke sagen, - der interessante und informative Vortrag hat sich wirklich gelohnt!
Dem von Fritz Gesagten kann ich mich nur anschließen. In dem gelungenen, gut verständlichen Vortrag ist es der Referentin geglückt, überzeugend darzustellen, warum der Schädel - morphologisch zwischen Metriorhynchus und Tyrannoneustes stehend, aber insgesamt Tyrannoneustes stärker ähnelnd - aktuell (anhand des vorliegenden Fossilmaterials, d.h. unter anderem auch ohne postcraniales Material) aus Ihrer Sicht das Aufstellen einer neuen Art nicht gerechtfertigt hätte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mancher Wirbeltier-Paläontologe hier zum Aufstellen eines neuen Taxons geneigt hätte, da es zu beiden Arten durchaus Unterschiede gibt, die im Vortrag vorgestellt wurden. Ausschlaggebend kein neues Taxon aufzustellen war u. a., dass beim neuen Fund keine Alleinstellungsmerkmale gegenüber beiden bestanden.

Schade, dass auf Wirbeltiere die Ansätze der neueren Ammonitenforschung kaum anwendbar sind: große Probenmengen horizontiert bergen, um Variationsbreiten und Entwicklungslinien zu erkennen. Dafür sind Wirbeltiere in aller Regel leider zu rar! Schön, wenn einige das Thema Variationsbreite bei der Wirbeltier-Bearbeitung trotzdem deutlich vor Augen haben. :top:

Viele Grüße
Sönke

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Re: Paläontologischer Arbeitskreis Bünde

Beitrag von Sönke » Dienstag 2. Oktober 2018, 20:15

Hallo zusammen,

nach dem Vortrag ist vor dem Vortrag! :) Der Takt im Augenlick ist relativ dicht.

Diesen Freitag (5. Oktober, 20 Uhr) geht es im Dobergmuseum Bünde weiter mit diesem Thema:

Geologie und Fossilien der Braunkohlen-Tagebaue Garzweiler, Hambach und Inden

Im Rheinischen Braunkohlenrevier fördert die RWE Power AG jährlich ca. 100 Mio. t Braunkohle, um daraus etwa 12 % des in Deutschland benötigten Stroms zu erzeugen. Neben diesem energiepolitischen Aspekt bietet sich in den Braunkohlen-Tagebauen die einmalige Chance 450 m Sedimentabfolge zu studieren. Die Ablagerungen reichen vom unteren Miozän bis heute. Der Referent ist mit dieser Lagerstätte seit über 40 Jahren bestens vertraut und informiert zu Tagebautechnik, Stratigraphie, Geologie und Fossilinhalt dieser Schichten.

Referent: Ulrich Lieven

Der Vortrag findet direkt im Dobergmuseum Bünde statt.

Der Paläontologische Arbeitskreis und der Referent würden sich über zahlreiche Besucher sehr freuen!

Schöne Grüße
Sönke
Dateianhänge
Braunkohle.JPG
Suche in der Rheinischen Braunkohle. Foto: Uli Lieven
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Braunkohle2.jpg
Bergung eines Baumstamms. Foto: Uli Lieven
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Re: Paläontologischer Arbeitskreis Bünde

Beitrag von Sönke » Samstag 6. Oktober 2018, 16:33

Hallo zusammen,

wer sich gestern in Bünde eingefunden hat, bekam von Uli Lieven zwei Stunden lang einen exzellenten Vortrag geboten. Zunächst stellte Uli die Dimensionen und wirtschaftliche Bedeutung der Tagebaue Hambach, Garzweiler und Inden dar, die derzeit etwa 15 % des bundesweiten Stroms liefern. Eindrucksvoll sind die Tiefe der Tagebaue, die Sohlen liegen z.T. hunderte Meter unter dem Meeresspiegel, aber auch die Mächtigkeit der abgebauten Kohleflöze (derzeit ist das Hauptflöz auf den untersten anderthalb Sohlen in Hambach etwa 90 Meter mächtig). Der größte Teil des Materials (Sand und Ton) ist Abraum und wird direkt wieder verfüllt. Ebenso beeindruckend sind die riesigen Schaufelradbagger, die annähernd 100 Meter hoch sind. Eine Grafik, in der ein solcher Bagger ins Verhältnis zum Kölner Dom gesetzt wurde, veranschaulichte die Dimension sehr gut. Später ging der Referent dann auf die aufgeschlossenen Schichten und ihre Fossilführung ein - von alt nach jung wurde das Profil durchgearbeitet, Exkursionsfotos wechselten sich mit Fossilfotos ab - hin und wieder wurde etwas Rezentes zur Auflockerung "eingestreut". Uli Lieven kennt zu jedem Stück eine Geschichte - und nicht ganz wenige davon hat er in seiner kurzweiligen Art erzählt. Insgesamt resultieren die gezeigten Funde aus Exkursionen einer Paläobotanisch-Biostratigraphischen Arbeitsgruppe über einen Zeitraum von 29 Jahren sowie seiner eigenen Suchtätigkeit. Als RWE-Mitarbeiter hat er auch jenseits der Exkursionen Zugang zu den Tagebauen. Über eine der Exkursionen wurde übrigens im Steinkernheft berichtet ( https://www.steinkern.de/inhaltsangaben ... ft-18.html ), falls jemand nachlesen möchte, was es dabei so zu sehen gibt, denn nächstes Jahr findet die letzte Exkursion statt! Wer noch nicht dabei war, sollte diese letzte Gelegenheit beim Schopfe packen!
Es wurden im Laufe der Jahre eine ganze Reihe bei den Exkursionen geborgener neuer Arten beschrieben und immer wieder überraschende Fossilvorkommen aufgetan: von Bernstein aus der Braunkohle, über größere Gingko-Vorkommen, Massenansammlungen von Samen, Zapfen usw. bis hin zu tierischen Fossilien. Nach heutigem Planungsstand soll der Tagebau Hambach im Jahr 2050 als letzter der drei Tagebaue eingestellt werden. Wie der Referent wissen ließ, kann man die Schichten danach dann allenfalls noch anhand von Bohrkernen untersuchen. Ergo: man kommt da nie wieder so dran wie jetzt! Von daher ist die Sammel- und Forschungstätigkeit, die der Vortrag umfassend dokumentiert hat, ein höchst beachtliches Engagement.
Zu den eindrucksvollsten Geländeaktivitäten zählten die Bergung eines über 10 Meter langen Baumstamms sowie ein riesiger Lackabzug. Mit Lackabzügen dokumentiert Uli Lieven des Öfteren besonders eindrucksvolle Sedimentstrukturen und Fossilansammlungen - anders als beim Foto steht dann auch später noch Originalsubstanz für Untersuchungen zur Verfügung. Und es sieht natürlich auch viel schöner aus!

Anhängend das größte geborgene Fossil (der bereits oben gezeigte lange Baumstamm in situ) und eines der eher kleineren - bessere Schnappschüsse gab mein Handy nicht her.

Viele Grüße
Sönke
Baumstamm.jpg
Baumstamm in situ
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Vortrag02.jpg
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