Forschungsergebnisse Gräfenberg

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Moderator: Sönke

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wasserfloh
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Forschungsergebnisse Gräfenberg

Beitrag von wasserfloh » Sonntag 1. November 2009, 21:46

http://www.steinkern.de/fundorte/bayern ... nberg.html

Lieber Victor,

wie schön, dass Deine Fossilienwelt mit Quenstedt so einfach ist, und wie gut für Dich, dass Du höchst selten im - für Dich drücke ich mich eigens einfach aus - Malm Zeta sammelst. Sonst hättest Du nämlich Deine Quenstedtsche Gliederung schon lange in die Ecke geworfen... Und das hättest Du wohl selbst dann getan, wenn Du auf der Schwäbischen Alb wohnen würdest.

Ansonsten habe ich mich sehr gefreut, dass Du auch mal den Oberen Bereich der unteren Hälfte des Unterkimmeridgiums in Gräfenberg in den Blickpunkt rückst. Ansonsten ist bei dieser Lokalität im Forum je meist nur vom unteren Bereich der oberen Hälfte des Unterkimmeridgiums die Rede.

Prima: Deine Anmerkungen in "D Vorgehensweise" und "E Bestimmung". Nichts ist eben so einfach wie die Quenstedtsche Gliederung - nicht einmal die Abgrenzung von Arten und Gattungen.

Auf jeden Fall Danke für Deinen Homepage-Bericht, den ich mit Sicherheit mit großem Interesse weiterverfolgen werde. Dies schon deshalb, weil ich gespannt bin, wie lange Du Deine beim Schreiben doch sehr zeitintensive Polemik durchhältst. :wink:

Michael

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Wolfgang
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Beitrag von Wolfgang » Sonntag 1. November 2009, 22:00

Servus Victor

Super, dass du deine neuen Erkenntnisse hier vorstellst.
Werde das mit Interesse verfolgen, gerade weil Gräfenberg mein Lieblingsmalmbruch ist.

Außerdem scheint es so, dass du auch was von mir gefundenes vorstellst.
:wink:

Bin gespannt auf weiteres!

Beste Grüße
Wolfgang

sigillaria
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Beitrag von sigillaria » Montag 2. November 2009, 15:28

Hi Victor,

super, freue mich auf die weiteren Folgen, vielleicht kriege ich dann ja doch mal den Durchblik in Gräfenberg.

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Victor Schlampp
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Beitrag von Victor Schlampp » Montag 2. November 2009, 15:53

Lieber Michael,

vielen Dank, dass Du meine Versuche zu würdigen weißt, meine Profilbänke exakt im neuen Überkimmeridgium zu platzieren. Schließlich möchte ich ja auch jenen Sammlerinnen und Sammlern, die aus wissenschaftlichen oder persönlichen Gründen den reformierten Quenstedt nicht mehr anwenden wollen, einfache Gliederungen zur Hand geben, mit denen sie ihre Funde schell und problemlos dem jeweiligen Fundbereich zuordnen zu können, was ja nach Quenstadt ebenso eindeutig wie einfach gewesen ist :P

Nun zurück zur Sachlichkeit:

Auch im Malm Zeta habe ich persönlich übrigens mit Quenstedt keine Probleme. Ich muss nur korrelieren. Übrigens, wenn ich Quenstedt meine, dann immer dessen Grundgerüst inklusive der späteren Überarbeitungen etwa durch Geyer oder Zeiss.

Und so sieht das Ganze dann aus

Fränkische Alb:

Malm Zeta 6 (= Ciliata-Zone mit den Horizonten Penicillatum, Ciliata und Callodiscus sowie Palmatus-Zone mit den Horizonten Scoparius und Palmatus) = Untertithonium "Neuburg-Formation"
Malm Zeta 5 (= Vimineus-Zone, Levicostatum- und Vimineus-Horizont) = Untertithonium "Rennertshofen-Formation"
Malm Zeta 4 (= Mucronatum-Zone, Franconicum-Horizont) = Untertithonium "Usseltal-Formation"
Malm Zeta 3 (= Hybonotum-Zone, Moernsheimensis- und Laisackerensis-Horizont) = Untertithonium "Mörnsheim-Formation"
Malm Zeta 2 (= Hybonotum-Zone, Riedlingensis- und Ruepellianus-Horiont) = Untertithonium "Solnhofen-Formation)
Malm Zeta 1 (= Beckeri-Zone, Ulmense-Subzone) = Oberkimmeridgium
Malm Epsilon 2 (= Beckeri-Zone, Setatum-Subzone) = Oberkimmeridgium
Malm Epsilon 1 (= Beckeri-Zone, Subeumela -Subzone = Oberkimmeridgium

Auf der Schwäbischen Alb gilt analog das Gleiche. Die Ulmese-Subzone des Oberkimmeridgiums entspricht der "Liegenden Bankkalk-Formation" (= Zeta 1) sowie der "Zementmergel-Formation" (= Zeta 1). Die "Hangende-Bankkalk-Formation" bildet die Basis des fränkischen Zeta 2. Der mittlere und höhere Zeta 2 sowie die jüngeren Schichten sind auf der Schwäbischen Alb erodiert und damit nicht mehr vorhanden. Die frühere Gliederung auf der Schwäbischen Alb mit Zeta1 = Liegende Bankkalke, Zeta2 = Zementmergel, Zeta3 = Hangende Bankkalke ist damit selbstverständlich hinfällig.

Lieber Michel, ich gebe gerne zu, dass meine Parallelisierung übers Knie gebrochen ist, aber es funktioniert und es ist für den Sammler übersichtlicher als ein Über-Oberkimmeridgium, in dem in der Fränkischen Alb derzeit alleine 12 Horizonte ausgewiesen werden können.
Und ist das wirklich international besser zu verstehen, wenn ich einem Amerikaner sage: This ammonite is from the Lower Tithonian, Usseltal-Formation ? Da kann ich ganz genaso so sagen: This ammonite is from the so called "Malm Zeta four according to good old Quenstedt"

Beste Grüße

Victor
Zuletzt geändert von Victor Schlampp am Montag 2. November 2009, 19:19, insgesamt 1-mal geändert.

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wasserfloh
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Beitrag von wasserfloh » Montag 2. November 2009, 18:37

Hi Victor,

so einfach ist das eben alles gerade nicht: Die ulmense-Subzone entspricht auf der östlichen Schwäbischen Alb keineswegs der Liegenden Bankkalk-Formation (Zeta 1), sondern ebenso der Zementmergel-Formation (Zeta 2). Beide Formationen sind in der Schwäbischen Alb lithostratigrafisch (und chronostratigrafisch sowieso) nicht immer sauber zu trennen, da sie an vielen Orten (u.a. in Nattheim und Gerstetten) miteinander verzahnt sind. So findet sich die Zementmergel-Formation mancherorts unter der Liegenden Bankkalk-Formation, d.h. also der Zeta 2 liegt zuweilen unter dem Zeta 1. Was hat das noch mit einer sauberen Gliederung zu tun?

Ich zitiere einmal mehr die Jura-Subkommission:

"Das komplexe fazielle Nebeneinander macht also eine künstliche lithostratigraphische Auftrennung in zwei aufeinander folgende Formationen unmöglich und unsinnig."

Das ist einer der Gründe, weshalb ich die stratigrafische Gliederung meines ansonsten innig geliebten Quenstedt an die Wand geworfen habe. Ich sammle nämlich hauptsächlich in der Mergelstetten-Formation, zu der die Liegende Bankkalk-Formation und die Zementmergel-Formation in der neueren Forschung vereinigt wurden.

Erklär das mal alles Deinem Amerikaner mit dem "goog old Quenstedt"...

Wenn Du also in Deinen Steinkern-Beiträgen künftig die Quenstedtsche Gliederung verwendest, solltest Du Dir bewusst sein, dass Du damit die Sammler auf der Schwäbischen Alb ganz, ganz, ganz unfair diskriminierst. :motz: :cry:

Beste Grüße

Michael

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Tapir
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Beitrag von Tapir » Montag 2. November 2009, 18:42

wasserfloh hat geschrieben: Wenn Du also in Deinen Steinkern-Beiträgen künftig die Quenstedtsche Gliederung verwendest, solltest Du Dir bewusst sein, dass Du damit die Sammler auf der Schwäbischen Alb ganz, ganz, ganz unfair diskriminierst. :motz: :cry:


:noidea:
Ich würde nicht sagen dass das was Victor macht diskriminierend ist... (Bitte beachte dass der Ton die Musik macht.)

Niemand wird hier irgendwo diskriminiert!!!! :no:
Glück auf!

Johannes Kalbe

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Disclaimer: Die Beiträge können Spuren von Ironie, Fiktion, Laienmeinung oder persönlicher Einschätzung enthalten, ohne dass dies textlich oder durch bunte Kleckse kenntlich gemacht wird. Bitte gleichen Sie den entsprechenden Beitrag immer mit anderen Ihnen zugänglichen, thematisch verwandten Quellen ab.

Be more specific! http://www.youtube.com/watch?v=PusCpQIbmCw

Two down. Four to go.

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Ahorn
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Beitrag von Ahorn » Montag 2. November 2009, 19:00

Hallo Viktor

ich möchte Dir Danken für Deine große mühe die Du Dir machst und das Du immer wieder so tolle Berichte Verfasst mit sehr vielen Informationen die klar und Verständlich zu meinem Wissen beiträgt. Tolle Arbeit und bei so einer Fülle wohl durch sehr viel Arbeit, Beobachtung und Analyse entstanden ist. Hochachtung vor Dir und die besten Wünsche dass ich noch oft und sehr viel von Dir Lesen kann. Langsam kommt auch bei mir etwas überblick auf was es bei der Bestimmung und Einordnung von Ammoniten ankommt, Anerkennung und Glückwunsch zu Deiner Leistung.

besonders auch durch Deine Arbeiten wird Steinkern in einem hohen Standard und Wissensfülle nach aussen dargestellt.

Hochachtungsvoll und mit Lieben Grüßen
Kurt

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wasserfloh
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Beitrag von wasserfloh » Montag 2. November 2009, 19:24

@tapir:

Hallo Johannes,

ich dachte eigentlich, durch meine beiden Smilies und den Wortlaut "ganz, ganz, ganz unfair" hätte ich hinreichend deutlich gemacht, dass ich es mit dem "Vorwurf" der Diskriminierung wirklich nicht ernst meine... Ich hoffe, wenigstens Victor hat das auch so verstanden. Aber falls meine ironische Wortwahl tatsächlich missverständlich sein sollte, dann entschuldige ich mich hiermit natürlich sofort und bedingungslos.

Beste Grüße

Michael

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salve
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Beitrag von salve » Montag 2. November 2009, 19:58

Hallo Victor,

obwohl ich eigentlich nicht vor hatte mich hier mal zu Wort zu melden, da ich noch nicht tief genug in der Sache drin stecke, bin ich Dir sehr dankbar, dass Du stehts bemüht bist, dass auch wir 0815 Hobbysammler immer mehr in der Lage sind unsere Funde in Ansätzen selbst zu bestimmen.

Obwohl ich die Ansichten von Michael teilweise nachvollziehen kann, da ich im Sommer mit einem schweizer Paläontologen eine ähnliche Diskussion geführt habe, bin ich aber der Meinung, dass ein solches Kompetenzgerangel hier nicht unbedingt stattfinden soll. Dafür gibt es ja bereits ein eigenes Unterforum.

Daher bin ich sehr froh und glücklich darüber, dass ich durch Deine Ausführungen und Hilfestellungen immer sicherer bei meinen eigenen Bestimmungsversuchen werde.
Hier auf Steinkern sind neben den Spezialisten auch viele Hobbysammler unterwegs, bei denen die wissenschaftliche Betrachtung zumindest momentan noch ganz weit hinten steht. Daher bin ich über Deine Vorgehensweise sehr dankbar. Für mich ist es persönlich schon ein großer Schritt gewesen, den oberen Alpha vom Beta unterscheiden zu können, auch wenn ich die direkte "Trennlinie" nicht immer genau festmachen kann.
Momentan "lerne " ich die unterschiedlichen Horizonte und Zonen genauer auszumachen. Als Bestimmungsanfänger hat man damit schon genug zu tun.
Klar weiß man in seinen Liebligsaufschlüssen und -brüchen, wo in etwa die rentablen Schichten z zu finden sind, aber je nach Sprengung und Verwerfung muss man auch da manchmal schon ganz schön suchen.

Außerdem habe ich mich sehr über den Exkurs Subnebrodites / Praeataxioceras gefreut, da ich er am vorletzten Wochenende eine kleine Bestimmungsauseinandersetzung mit einem Sammlerkollegen hatte, der in seinem Hausbruch ein absoluter Spezialist ist. Durch diesen Exkurs habe ich wieder wesentliches dazu gelernt.

Genau wie Kurt möchte ich mich an dieser Stelle für Deine Arbeit hier auf Steinkern nochmals sehr bedanken und freue mich auf all die Dinge, die ich noch von Dir lernen werde.

Mach weiter so,

Gruß Salve

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Victor Schlampp
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Beitrag von Victor Schlampp » Montag 2. November 2009, 20:02

Lieber Johannes, lieber Kurt, lieber Salve

vielen Dank für Eure Unterstützung.

Lieber Michael,

so sehr ich Dich auch schätze, aber auf diesem Niveau diskutiere ich nicht mehr weiter. Du musst meine Einschätzungen nicht teilen, Ideen, wie man es besser machen könnte, wären auch nicht verkehrt, aber meine Ausführungen solltest Du wenigstens nicht falsch zitieren:

Ich hatte ausdrücklich geschieben, dass die Ulmense-Subzone sowohl die Liegende Bankkalk-Formation als auch die Zementmergel-Formation umfasst. Da ich Quenstadt gemäß der neueren Definition (vergl. u.a. Geyer, Zeiss) nicht nach faziellen Gegebenheiten, sondern ausschließlich gemäß der darin enthaltenen Leitammoniten (wie dies in einschlägigen Dissertationen und wissenschaftlichen Arbeiten seit rund 60 Jahren der Fall ist) definiere, ist es vollkommen gleichgültig, ob die Liegenden Bankkalke unter oder oberhalb der Zementmergel-Fomation sind. Sie sind beide nur fazielle und damit absolut beliebige Ausbildungen einer einzigen Subzone, die durch ihre Leitform definiert wird. Es handelt sich auch nicht um Zeta 1 und 2, sondern nach meiner Definition um Zeta 1. So habe ich das auch geschrieben. Zeta 2 sind die Hangenden Bankkalke. Und die liegen mit ihren Leitammoniten bestimmt nicht mal abwechselnd unter der Zementmergel-Formation oder unter den Liegenden Bankkalken. Vor allem auf der östlichen Schwäbischen Alb ist das eh ohne Bedeutung, da hier selbst die jüngsten Oberjura-Ablagerungen noch ins Oberkimmderidgium (vergl. Schweigert & Vallon 2005) - Beckeri-Zone, Ulmense-Subzone (= Malm Zeta 1 nach meiner Interpretation) zu stellen sind.

Die Lias- und Dogger-Sammer sind auf Quentstedt nicht mehr angewiesen. Die Internationale Gliederung mit deutlichen Unterteilungen wie etwa Hettangium, Sinemurium, Pliensbachium und Toracium (Lias) bzw. Aaalenium, Bajocium, Bathonium, Callovium (Dogger) lassen in Verbindung mit den Leitammoniten eindeutige Zuordnungen der betreffenden Funde zu.
Im Oberjura ist dies durch ein "Überkimmeridgium", das den oberen Alpha bis zum unteren Zeta erfasst, meiner Meinung nach nicht mehr möglich, zumal die zugewiesenen Leitammoniten - und das ist ja mein Forschungsthema - teilweise gar nicht dort vorkommen, wo sie es eigentlich sollten.

Euer Victor

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wasserfloh
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Beitrag von wasserfloh » Montag 2. November 2009, 20:51

Lieber Victor,

entschuldige, dass ich Dich falsch zitiert habe. Es tut mir wirklich leid. Ich bin durcheinandergekommen, weil Du geschrieben hast (diesmal hoffentlich richtig zitiert):

"Die Ulmese-Subzone des Oberkimmeridgiums entspricht der "Liegenden Bankkalk-Formation" (= Zeta 1) sowie der "Zementmergel-Formation" (= Zeta 1)."

Nach der ursprünglichen Quenstedtschen Gliederung ist jedoch die Zementmergel-Formation der Malm Zeta 2. Ich habe nicht gleich kapiert, dass Du in Deiner Definition die Zementmergel- und die Liegende Bankkalk-Formation zu Zeta 1 vereinigt hast, obwohl Du es eigentlich deutlich geschrieben hast.

Noch einmal: Es tut mir leid.

Und was Ideen, wie man es besser machen könnte, betrifft: Die habe ich bereits vorgetragen - nämlich die Aufteilung in Oxfordium und Kimmeridgium gänzlich aufzugeben, an deren Stelle eine neue große Einheit zu setzen und diese Einheit ausschließlich in Zonen und Subzonen nach den entsprechenden Leitammoniten zu unterteilen. Ich finde, eindeutiger, klarer und übersichtlicher geht es nicht. Was spricht dagegen?

Im übrigen teile ich den Dank und die Anerkennung meiner Vor-Poster, die Dir eine hervorragende Arbeit bescheinigen. Ansonsten würde ich nicht mit Dir über die Themen "Art-Bestimmung" und "Stratigrafie" diskutieren wollen.

Ich diskutiere übrigens nicht um des Diskutierens willen, sondern weil ich eben manche Definitionen sowohl als Sammler wie auch als an der Theorie Interessierter unbefriedigend finde.

Beste Grüße

Michael

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Victor Schlampp
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Beitrag von Victor Schlampp » Dienstag 3. November 2009, 17:41

Lieber Michael,

wie schon gesagt, ich freue mich über Dein Interesse an diesem wichtigen Thema und würdige Deinen Wissensstand, den Du Dir darüber angeeignet hast. Und im Grundsatz bin ich mit Dir einer Meinung: Die Quenstedtsche Gliederung ist nur eine Krücke.
Selbstverständlich gestehe ich jedem Sammler zu (die Wissenschaftler tun es eh schon seit einigen Jahren) mit der internationalen Gliederung und/oder Formations-Begriffen zu arbeiten.
Für mich ist es verwirrend, weil es die Kommunikation mit anderen Sammlern erschwert. Wenn ich sage, ich habe einen Ammoniten aus dem unteren Malm Gamma 1, dann kann ich auf der Fränkischen Alb drei Aspekte miteinander verknüpfen.
1. Ich habe mit Suterneria platynota ausnahmsweise einen typischen, charakteristischen und häufigen Leitammoniten
2. Ich habe eine Vorstellung der Faunengemeinschaft, also welche anderen Ammoniten ich zu erwarten habe
3. Ich habe eine Vorstellung von der Fazies: Mergel und mergelhaltige Kalksteine

Im unteren Malm Gamma 2 sieht es schon ganz anders aus.
1. Der namengebende Leitammonit hat erst im höheren Gamma 2 sein erstmaliges Auftreten und ist von älteren Formen (bsp. Ataxioceras discoidale) kaum zu unterscheiden. Zudem weist er eine Variationsbreite auf, bei der meiner Meinung nach kein Sammler in der Lage ist zu erkennen, dass es sich hier um die Variationsbreite einer Morphospezies handeln soll.
2. Trotzem bleibt meine Vorstellung von der Faunengemeinschaft
3. Auch die Vorstellung von der Fazies bleibt.

Ohne Quenstedts Gamm2-Krücke wäre ich orientierungslos

Dein Vorschlag mit der Untergliederung nach Zonen und Subzonen ist grundsätzlich der richtige Ausgangspunkt und namhafte Wissenschaftler arbeiten ja auch seit Jahren daran. Eine exakte Aufteilung nach Faunenhorizongen mit bestimmten Leitformen ist meiner Meinung nach machbar. Dies erfordert allerdings von den Sammlern sehr viel Disziplin.
1. Sie müssen die Leitammoniten der unterschiedlichen Horizonte und deren Variationsbreite genauestens kennen.
2. Sie müssen in der Lage sein, diese mit anderen Horizonten im europäischen Raum zu korrelieren, wo andere Leitformen vorkommen.
Und, die müssen bereit sein, sich ständig neue Leitformen zu merken, da derzeit alles im Fluss ist.

Was mir sehr wichtig wäre lieber Michael, dass wir beide in versöhnter Verschiedenheit und gegenseitigem Respekt leben können. Du bist für mich ein wichtiger Ansprechpartner im Bereich des schwäbischen Oberkimmeridgiums, den ich ungerne auf Grund von eigentlich banalen Nebengefechtsschauplätzen verlieren möchte. Warum ich derzeit bei der reformierten Quenstedtschen Gliederung bleibe, habe ich mit meinen Argumenten meiner Meinung nach hinreichend unterfüttert. Ich brauche sie, um in den nächsten Jahren etwa im Gamma 1 bestehende Faunenhorizonte auf deren Sinnhaftigkeit hin überprüfen zu können.

Beispiel mit Quenstedtscher Gliederung, Ausgangslage mit der entsprechenden Perisphinctidenfauna:

Malm Gamma 1 oben (= Guilherandense-Subzone): Faunenhorizont mit Schneidia guilherandense, Schneidia collignoni, Schneidia elmii, Ardescia schaireri, Ardescia desmoides debelmasi, Ataxioceras striatellum, Ataxioceras eudiscinum, Ataxioceras complanatum, Ataxioceras litorale, Ataxioceras catenatum, Parataxioceras geniculatum, Parataxioceras paraboliferum u.a.

Malm Gamma 1 Mitte: (= Desmoides-Subzone): Faunenhorizint mit Ardescia desmoides, Ardescia enayi, Ardescia proincondita, Ardescia virgatoides, Lithacosophinctes stromeri, Lithacosphinctes pseudoachilles u.a.
Malm Gamma 1 unten: (= Polygyratus-Subzone): Faunenhorizont mit Orthosphinctes polygyratus, Orthosphinctes uresheimensis, Orthosphinctes wemodingensis, Orthosphinctes pseudoployplocoides,?Orthosphinctes freybergi, Lithacosphinctes evolutus, Lithacosphinctes subachilles, ? Lithacosphinctes castroi, ? Lithacosphinctes gidoni. u.a.

Ich habe vor mit dem Artenchaos aufzuräumen. Das Problem: Auch die Subzonenleitammoniten Schneidia guilherandense und Orthosphinctes polygyratus müssen eventuell dran glauben.

Hier ist es noch einfach, da ich mit den Begriffen untere, mittlere und obere Platynota-Zone arbeiten kann und der Leitammonit Sutneria platynota tatsächlich in allen drei Bereichen vorkommen. Was mache ich aber im Malm Gamma 2 mit seinem Ataxioceras hypselocyclum, der nur in der Mitte des Schichtstoßes anzutreffen ist und von dem keiner weiß, wie er eigentlich aussieht, geschweige denn, welche Variationsbreite er hat? Nur einmal angenommen, man müsste ihn einziehen oder neu definieren... :shock:

Genug des Werbens. Ich denke, es ist irgendwie ähnlich, wie bei der Milch. Dem einen schmeckt sie, der andere hat eine Laktoseunverträglichkeit und bekommt Durchfall davon. Ich habe eine Kimmderidgium-Unverträglichkeit, beim Michael räumt der Quenstedt durch. :wink:

Auf eine fruchtbare Zusammenarbeit

Beste Grüße

Victor

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Beitrag von wasserfloh » Dienstag 3. November 2009, 19:02

Lieber Victor,

langsam wirst Du mir unheimlich: Du wusstest, dass ich den Wittislinger Dialekt spreche, und jetzt weiß Du auch noch, dass ich eine Lactose-Intoleranz habe (ein Scheiß, kann ich Dir sagen, vor allem wenn man Milchprodukte an sich sehr gerne mag).

Danke für Deinen Beitrag, der ein bißchen die Luft aus unserer zuletzt recht hitzigen Diskussion nimmt. Die Debatte wurde, so denke ich, vor allem von den verschiedenen Ansätzen geprägt, wie wir mit dem Fossiliensammeln umgehen. Du denkst dabei immer auch an die Sammler, die vor allem ihre Ammoniten in ein klares System aus Schichten, Gattungen und Arten einordnen möchten, während ich bei meinem eigenen Sammeln weniger die Fossilien als das System im Blick habe. Ich merke das immer daran, dass es mir nur wenig ausmacht, wenn ich ein Fossil nicht eindeutig bis auf die Artebene hinunter bestimmen kann. Dagegen lässt es mir absolut keine Ruhe und hat mir schon etliche schlaflose Nächte bereitet, wenn ich eine Schicht nicht eindeutig zuordnen kann (frag mal Michael-miroe, was ich mit ihm in den letzten Wochen schon über die stratigrafische Zuordnung eines banalen Lesesteinhaufens im Altmühltal diskutiert habe).

Es ist für mich das Spannendste am Sammeln überhaupt, wenn ich vor einem Aufschluss stehe, der weder im Web noch in der Literatur irgendwo beschrieben ist, und ihn dann in die richtige Schicht einordnen soll. Und was brauche ich dazu? Leute wie Dich, die durch ihre mühsame Arbeit sauber die verschiedenen Zonen anhand der entsprechenden Leitammoniten herausarbeiten und ihre eigenen Ergebnisse immer wieder selbstkritisch überprüfen. Das sollte auch einmal gesagt sein...

Vielleicht hast Du ja schon bemerkt, dass ich im Forum immer wieder "hässliche" Ammoniten zur Bestimmung einstelle (wie vor ein paar Wochen einen Orthaspidoceras lallierianum aus der Gegend von Ulm oder neulich eine Sutneria platynota aus Neidlingen). Mir ging es in beiden Fällen nicht um die Ammoniten selbst, sondern vielmehr um die Behebung einer Unsicherheit bei der stratigrafischen Zuordnung der Fundschicht. Im Fall des Orthaspidoceras handelte es sich um einen in der Literatur "vergessenen", aber sehr fossilreichen Aufschluss. Bei der Sutneria war es eine zweifelhafte stratigrafische Zuordnung durch die württembergischen Landesgeologen, die mich irritierte.

Für mich ist es eben viel faszinierender zu wissen, auf welchem urzeitlichen Boden ich gerade stehe, als einem Ammoniten für das Sammlungsregal den korrekten Namen zu geben. Von daher kommt es wohl auch, dass ich bei der stratigrafischen Gliederung so empfindlich bin, während ich bei der Bestimmung von Arten zur Großzügigkeit tendiere, d.h. die Art als Oberbegriff für möglichst viele verschiedene Formen, die alle ein oder mehrere gemeinsame Alleinstellungsmerkmale haben, zu definieren.

Ich habe kein Problem, wenn Du bezüglich stratigrafischer Gliederung beim Quenstedtschen Konzept bleibst. Ein Problem hätte ich nur, wenn ich von meiner internationalen Gliederung abweichen müsste. Also belassen wir es bei der friedlichen Koexistenz der beiden Systeme bzw. schauen wir mal gelassen dabei zu, welches der Systeme sich in den nächsten 30 Jahren durchsetzen wird...

A liabs Griaßle

Michael

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Beitrag von Andreas » Donnerstag 5. November 2009, 14:19

Servus,

sooo jetzt kam ich auch endlich mal dazu den Bericht in Ruhe zu lesen. Besten Dank dafür, Victor. Ich bin gespannt, was noch so kommt. Schön, dass so auch mal verdeutlicht wird, was Gräfenberg alles abseits der Grünlingsbank zu bieten hat.

Und bei deiner internationalen Gliederung "oberer Bereich des oberen Teils der unteren Hälfte des Unterkimmeridgiums" musste ich mich erstmal weglegen :lol:

Viele Grüße,

Andreas

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