Fossilien aus dem Taunusquarzit....

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Marcel
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Fossilien aus dem Taunusquarzit....

Beitrag von Marcel » Sonntag 25. Dezember 2005, 22:35

In Bezug auf den Artikel http://www.steinkern.de/fossilien-aller ... arzit.html

Ich sammle seit Jahren Fossilien aus meiner Umgebung im Taunus bei Usingen. Das ist ein ziemlich mühsames Unterfangen, da man die harten Quarzitbrocken bestensfalls mechanisch zerkleinern kann und erkennbare Fossilien zumeist aus verwitterten Steinen gewonnen werden müssen. Ist der Stein massiv und liegt noch nicht allzu lange sieht man nur in seltenen Fällen ob sich etwas darin verbirgt. Aus diesem Grund musste ich das Sammeln auf Objekte einschränken die möglichst vollständig freigewittert sind. Habe leider wenig Ahnung und wäre froh wenn mir jemand weiterhelfen könnte. :help:
Zu den Bildern:

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Aufgrund der Härte des Gesteins finden sich eigenlich nur Hohlräume von Seelilienresten und Brachiopoden als Negativ.
Kann jemand diese Seelilie bestimmen ?
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Eine merkwürdig eingerollte Hohlraumversteinerung. Die Rippen der Schale verlaufen quer zur Windung. Was könnte das sein ?

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Ein aufgebrochener Stein der schon von aussen erahnen liess, dass er "reif" war. Die schwarze Färbung rührt evtl. von Erdöl her. Die rote Färbung ist nur in den Bereichen zu finden wo eine Brachiopodenschale war. Es dürfte Eisen oder eine F-Verbindung sein.
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Eine flache Platte ( ca 10mm Stärke) mit deutlich heraustretenden sehr harten Wülsten. Könnte das eine Seelilienwurzel sein?? X-förmige Struktur , ,es können aber auch 5 Wülste sein. Aussen rot-gelbe Färbung. Im Zentrum sieht es aus , als ob ein weiterer Abgang der nach oben gerichtet war abgebrochen ist.
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Beitrag von Uncites » Sonntag 25. Dezember 2005, 22:58

Hallo Marcel,

schön. daß Du Deine Funde hier eingestellt hast. Ich hoffe, es kann Dir jemand weiterhelfen, wenn ich es schon nicht konnte.
Bei dem Foto mit schwarzen Färbungen würde ich allerdings bezweifeln, daß es sich hier um Verfärbungen durch Erdöl handelt. Naheliegender wäre m.E. eher die Vermutung, das die schwarzen Färbungen durch Manganoxide hervorgerufen werden.

Sven

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Beitrag von Thomas_ » Montag 26. Dezember 2005, 12:57

Ich glaube nicht das es sich bei den 'Wülsten' um Teile einer Seelilie handelt. Ich habe dir hier ein Stück mit solchen Wurzeln aus dem Silur zum Vergleich angehängt. Die Tiere brauchen zum Wurzeln einen Hartgrund, Sand oder Kalkschlamm ist dafür nicht geeignet. Später im Jura konnten sie auch auf Treibholz wachsen, aber das gab es im Unterdevon ja noch nicht. Nach dem Foto würde ich auf Wühlgänge von Krebsen oder Würmern tippen. Da hat sich ein Lebwesen durch den Boden gewühlt. Eine genauere Bestimmung ist bei diesen Spuren nicht möglich, da die Erzeuger fast nie gefunden werden und damit unbekannt sind.
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Marcel
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Beitrag von Marcel » Montag 26. Dezember 2005, 18:50

Ich füge nochmals ein , leider sehr schlechtes Bild von einer der Seiten der Seelilie in Hohlraumerhaltung bei. Vielleicht hilft das ja weiter. In einer geologischen Diplomarbeit die ich mal im Netz gefunden habe beschreibt der Autor fünfeckige Einschlüsse die schwarz sind und die er Mineralien zuschreibt. Ich glaube eher es waren solche Gänge wie man sie auch auf ihrem Bild sehen kann. Die Gänge verjüngen sich und kommen auf der anderen Seite des Steins wieder heraus. Naja, leider sind die Bilder sehr schlecht.

Zu den x-förmigen Wülsten, das klingt einleuchtend, schade, dass man nicht mehr bestimmen kann von welchem Tier sie stammen.
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Beitrag von Thomas_ » Montag 26. Dezember 2005, 20:26

Auf die Mineralien bin ich auch schon reingefallen. Ich hatte eine Tonplatte aufgesammelt, aus der eindeutig etwas eckige 'Schleifspuren' herausragten, die parallel in die gleiche Richtung laufen. Also Strömungsausrichtung, aber warum sollten Spurenfossilien bzw. Wühlgänge oder so was alle in eine Richtung laufen? Bis mir jemand sagte, da seien "Tonminerale" in Kristallform (daher die Ecken) durch den Schlamm gewandert. Das dürfte aber in Sand (und ich glaube das war das Zeug von deinem Fundplatz mal, oder?) nicht vorkommen bzw. in kurzer Zeit von der Schleifwirkung zerstört werden. Davon hab ich auch nicht so viel Ahnung, korrigiere mich jemand wenn ich Unsinn verzapfe.

Zu deinen Hohlräumen sagt man glaube ich im Volksmund 'Schraubensteine' oder so ähnlich. Sind halt die Hohlräume/Negative eines Crionidenstiels. Aber eine Artbestimmung mit dem Foto von dem Hohlraum des Stils dürfte nicht möglich sein. Es sei denn es gibt besondere Merkmale, die auf dem Foto nicht zu erkennen sind

Bei dem 'Haken' dürfte es sich um den Schnabel einer Brachiopode handeln. Da bin ich mir sicher das die Artenbestimmung nicht möglich ist. Dazu braucht man das Armgerüst, denn Brachiopoden mit so einem Schnabel gab es im Devon viele.

Mit etwas Glück findest du einen Profi, der sich mit dem Aufschluss schon mal näher beschäftigt hat. Wenn es da jeweils nur eine Art Brachiopode bzw. Seelilie gab die in Frage kommt, dann bekommst du eventuell doch noch einen Artennamen. Gibt es da irgend wo ein Museum mit einer geologischen Sammlung oder eine Uni, wo du mal nachfragen kannst?

Marcel
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Beitrag von Marcel » Montag 26. Dezember 2005, 20:42

@ Thomas:
Naja habe schon ein paar übliche Verdächtige abgeklappert (Mussen, Websiten von Brachioforschern) um von einem Wissenschaftler mal zu hören was das sein könnte. Will keine Namen nennen, das "Problem" dabei ist jedoch zumeist die Befürchtung man können etwas falsches sagen und sich in der Fachwelt zum Gespött machen. Da ich überhaupt keine Ahnung habe um welche Arten es sich handelt, ist das natürlich auch keine Hilfe.

Mal eine Frage zur Präparation:
Ich habe es schon aufgegeben, jemals hier eine "normale" Seelilie zu finden. Bei dem Stück hier steckt ja der Negativabdruck noch im Stein. Ich habe mir überlegt:
1.) das Ding röntgen zu lassen und mir bei Erfolg eine schöne 3-D Datei erstellen zu lassen.
2.) Den Stein zu schleifen bis der Negativ einigermassen gleichmäßig, d.h. zu 50% des Abdrucks zu erkennen ist. Ich frage mich jedoch mit welchem Schleifgerät und welchem Schfleifmaterial sowas zu machen ist. Beim Fräsen mit Diamantfräsern habe ich beim Quarzit bislang nur die Fräser kaputtgemacht und fast nichts abgetragen.
Dann hätte man eine hohle Seelilie die durchaus auch ihren optischen Reiz hätte.
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Beitrag von Thomas_ » Dienstag 27. Dezember 2005, 06:32

Moment mal. Glaubst du da ist eine Krone im Stein? Das sieht auf dem Foto aber nicht so aus. Kelche und Arme sind sehr empfindlich und daher sehr selten erhalten, besonders im kompletten Verbund. Als Hohlraum in Quarzit habe ich so was noch nie gesehen oder davon gehört. Was man machen könnte wäre mit Kautschuk einen Abguss erstellen. Über schleifen habe ich einen Artikle geschrieben:
http://www.steinkern.de/praeparation-un ... ilien.html

Das dürfte bei dem harten Zeug aber ein gutes Stück Arbeit werden.

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Beitrag von Uncites » Dienstag 27. Dezember 2005, 07:51

@ Marcel : um unsere email-Korrespondenz hier noch einmal aufzuwärmen, ich bezweifele ebenfalls, daß in diesem Ding eine Seelilienkrone stecken könnte. auch eine Wurzel kann ich nicht erkennen. Dieser Stiel ist bestimmt ein Crinoidenstiel, die kenne ich ebenfalls in derartigen Erhaltungsformen. Aber sonst erkenne ich daran nichts, was Deine Therorie unterstützen könnte ... und Thomas kann ich auch nur zustimmen, das sehr grobe Milieu des Taunusquarzits läßt eigentlich eine Überlieferung so feiner Strukturen wie eine Crinoidenkrone kaum zu.
Dieses Ding mit dem stark gebogenen Schnabel könnte - neben der Theorie des Brachiopodensteinkerns - auch ein Gastropodensteinkern sein, ich habe so etwas schon mal gesehen, habe aber im Moment nichts konkretes parat. Ich werde mal in die Literatur schauen.
Sven

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Beitrag von Marcel » Dienstag 27. Dezember 2005, 16:12

Anbei ein paar weitere Fundstücke aus dem Taunus.

- Ein sehr stark verquarter Stein mit einer wunderschönen geriffelten Struktur drin. Ich setze mal auf einen Spirifer, der allerdings ca. 16 cm Breite gehabt haben müsste. Dann wäre das Objekt ein in der Mitte durchgebrochenes Exemplar. Der Stein ist ultrahart und entzieht sich sämtlichen Versuchen etwas abzutragen. Im Stein selbst scheint sich noch so ein Exemplar zu befinden.

- 2 Bilder eines Fundes von dem bislang niemand mit bestimmtheit sagen kann, dass es (k)ein Fossil ist. Das Objekt sieht aus wie eine Seegurke, hat an einem der Enden jedoch etwas was wie die Reste einer Schale wirken. Superhart.

- Bild eines weiteren merkwürdigen Stücks. Sehr flach aber an den seiten rautenförmige Querschnitte. Offensichtlich fehlen hie links und rechts die "Abschlüsse". Es sieht aus wie ein grosses V an dem an der Spitze zwei eierförmige stark texturierte Teile sitzen. Witzigerweise passt das oben gezeigte Stück von der Größe her genau auf eine der beiden V Schenkel.
Hatte daher schon überlegt, ob es wohl dasselbe Teil ist eben nur plattgedrückt. Auf der Rückseite findet sich ein Encrinusstilsegment.
An den Enden an denen vermutlich etwas fehlt sieht man wurmähnliche Strukturen auf dem Stein.

Sorry für die prosaische Beschreibung...

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Beitrag von Uncites » Dienstag 27. Dezember 2005, 16:29

Nun aber ....
der Taunusquarzit ist ein durchgehend sehr grober Sandstein, da findet man bestimmt keine fossilen Seegurken drin, zumal Holothurien keine Hartteile haben, die in solch einem Sediment überliefert werden könnten.
Für mich haben viele der Fotos gar keinen fossilen Charakter, ich würde nach den Fotos eher an Sedimentstrukturen, Toneinlagerungen, Tongallen oder ähnliches denken, ggf. auch an Bioturbationen, also so Dinge wie fossile Grabgänge, etc.

Sven

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Beitrag von Marcel » Mittwoch 28. Dezember 2005, 17:09

Hallo,
hier ( zum letzten Mal - versprochen) zwei Stücke die dann vermutlich auch keine Fossilien darstellen.. Trotzdem habe ich sie aufgehoben, da die Rillen sehr regelmäßig angeordnet sind. Zudem befinden sich die Rillen auf mehreren Seiten ausgerichtet auf den Steinen. Des weiteren wurden diese Stücke in bereichen gefunden in denen sich sehr viele Fossilien finden lassen.Und natürlich habe ich kistenweise Brachiopoden in vielerlei Form und Größe. Für Bilder muss ich mir jedoch erst mal eine gescheite Kamera besorgen...


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Beitrag von Uncites » Mittwoch 28. Dezember 2005, 17:53

Zumindet das untere Foto erinnert mich sehr an fossile Rippelmarken, was auch in diese sandige Fazies passen würde. Allerdings sind die Fotos, auch von den anderen Stücken weiter oben, nicht sehr gut ... ich erkenne einfach nicht genug.

Sven

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Crinoidenwurzeln

Beitrag von Uncites » Montag 9. Januar 2006, 02:38

Als Vergleich zu den obigen Fotos von eventuellen Crinoiden möchte ich noch einmal eine Crinoidenwurzel einstellen. Sie stammt aus dem Givet der Bergisch-Gladbach-Paffrather Mulde.

Sven
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Crinoidenwurzel - 500.jpg
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Beitrag von Thomas_ » Montag 9. Januar 2006, 06:42

Hallo Sven!

Tolles Stück. Ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass eine Crinoidenwurzel eine bestimmte Struktur zeigt. Das ist auf deinem Foto nicht zu erkennen. Liegt das an der Aufnahme, oder ist die wirklich glatt?

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Taunusquarzit

Beitrag von Kaufmann » Montag 9. Januar 2006, 09:21

Hallo Marcel,

bei deinem Hohldruck handelt es sich wahrscheinlich um die Gastropoden art "Platyceras sp."

Gruß
Hartmut

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