Bericht: Schwämme aus dem Oberjura Süddeutschlands

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Miroe
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Bericht: Schwämme aus dem Oberjura Süddeutschlands

Beitrag von Miroe » Samstag 10. Januar 2009, 09:56

Servus Michael,

danke für Deinen schönen Bericht zu oft Übersehenem und doch so Interessantem! Vielleicht trägt Dein Artikel dazu bei, dass fossile Schwämme ein wenig mehr Beachtung finden, das wäre erfreulich.

Die von Dir genannte Literatur
SCHWEIGERT, Günter: Riffe im Weißen Jura der Schwäbischen Alb, in : LEINFELDER, Reinhold – KULL, Ulrich – BRÜMMER, Franz (Hrsg.): Profil, Bd. 13: Riffe – ein faszinierendes Thema für den Schulunterricht, Stuttgart 1998, S. 49-55.
kann hier heruntergeladen werden (der gesamte Band 13): http://www.riffe.de/schule/schulbuch.html

Ich empfehle den Download als Zip-Datei, der Download als ungezippte pdf-Datei kann Schwierigkeiten machen.

Beste Grüße
Michael

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wasserfloh
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Beitrag von wasserfloh » Samstag 10. Januar 2009, 10:49

Danke Michael...

... für Deine aufmunternden Worte, was Schwämme betrifft. Allerdings glaube ich nicht, dass es unter Fossiliensammlern viele Schwammliebhaber gibt und geben wird. Die meist kleinen Tierchen sind eben nicht so attraktiv wie Ammoniten bzw. entfalten ihre Attraktivität oft erst unter der Lupe. Ich selbst bin fasziniert von den feinen Strukturen, die viele Schwämme aufweisen: Sterne, Gitter, Rinnen. Vielleicht kommt mein Interesse für den Schwamm an sich aber auch daher, weil ich liebend gern im Wald Schwammerl (schon klar, sind keine Schwämme) sammle. Von diesen gab es heuer bei uns im Donautal allerdings wesentlich weniger als auf der nahen Alb Fossilien...

Lieber Gruß

Michael

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amaltheus
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Beitrag von amaltheus » Samstag 10. Januar 2009, 12:41

Hallo Michael,

vielen Dank für Deine wunderschön geschriebenen und recherchierten Berichte !!!

Es macht Spass darin zu lesen !

Gruss Thomas

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Victor Schlampp
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Beitrag von Victor Schlampp » Samstag 10. Januar 2009, 14:21

Hallo Michael (alias Wasserfloh),

erst einmal herzlichen Glückwunsch zu dem perfekten Bericht. Dass sich Oberjura-Schwämme bei Sammlern wenig Beliebtheit erfreuen, liegt wohl auch daran, dass sie im Fundzustand eher unattraktiv sind und viele Fossilienfreunde nicht wissen, wie man sie präparieren kann. Dass sie eher unscheinbar und klein sind, halte ich aber für ein Gerücht. Ein Sammler aus dem Fränkischen hat einige davon in Vasengröße perfekt herausgearbeitet (wie einen ausgenommenen Kürbis) auf dem Fußboden drapiert. Das sind echte Hingucker, die dem Vergleich mit jedem Großammoniten standhalten. Auch meine - leider aufgrund des Umzuges derzeit noch verpackten - Exemplare, unter anderem von Geisingen und Sengenthal haben nicht selten zumindest Faustgröße. Natürlich sind auch viele kleinere, aber nicht minder schöne Stücke darunter. Unter dem Motto "Steinkern sucht den Superschwamm" habe ich das schönste Exemplar aus meiner Sammlung eingestellt. Es stammt aus der Ex-Kollektion Uwe Fröhlich und ist von ihm in einem Steinbruch des Treuchtlinger Marmors (Malm Delta) gefunden worden. Das Tier hat einen Duchmesser von über 30 Zentimetern. An die Bestimmung habe ich mich bis jetzt noch nicht herangewagt.

Beste Grüße

Victor
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Beitrag von wasserfloh » Samstag 10. Januar 2009, 18:18

Hallo Victor,

ich hab ja auch nur geschrieben, dass sie MEIST klein und unauffällig sind :wink: Natürlich gibt's auch größere Schwämme - ich hab mal zwei Stück angehängt (Cnemidiastrum rimulosum, links Mittleres Kimmeridgium von Kälberberg und rechts Unteres Kimmeridgium von Oberweckerstell/Lks. Göppingen). Allerdings taugten die beiden nichts für meinen Bericht, weil sie kaum Strukturen erkennen lassen - es sei denn, man wäre nicht zu faul zum anständigen Präparieren gewesen.

Lieber Gruß

Michael
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Miroe
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Beitrag von Miroe » Samstag 10. Januar 2009, 19:20

Awedäre Freunde,

das schwammige Thema bewegt mich doch sehr.

Anhängend deshalb unbestimmte Stücke aus meiner Sammlung.

Das erste, gerade 5,2 cm lange Stück kommt aus dem Gebiet des Treuchtlinger Marmors, wie auch der Monsterschwamm von Victor (Servus und gratuliere, den von Dir angeregten Wettbewerb wird ob Deines ultimativen Prachtstücks keiner mehr aufnehmen wollen). Bei meinem kleinen Fossil hat die Natur präpariert, die verkieselten Wände und die Schwammnadeln sind hervorragend sichtbar erhalten.

Das zweite Stück stammt aus dem Aushub des Main-Donau-Kanals, abgelagert auf der Deponie von Jachenhausen und von mir freigelegt. Bei diesem Fossil kuschelt der Brachiopode am Schwamm. Breite des Schwamms ca. 7,2 cm. Der Brachiopode ist 1,4 cm lang.

Das abschließende Bild zeigt, dass der Rückstand vom Waschen oder Ätzen der fossilen Schwämme nicht unbesehen weggeschüttet werden sollte. Die darin möglicherweise enthaltenen Schwammnadeln haben einen besonderen Reiz. Die gezeigten Nadeln kommen allerdings aus der Kreide.

Beste Grüße, keep on swinging,
Michael
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Nachtrag zu den Schwämmen aus dem Treuchtlinger Marmorrevier
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wasserfloh
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Beitrag von wasserfloh » Samstag 10. Januar 2009, 20:28

Hallo Michael,

schön, dass sich doch so manche Sammler auch für Schwämme interessieren. Hätt ich gar nicht gedacht...

Dein Schwamm auf den Treuchtlingen-Bildern dürfte schon aufgrund der Koloniebildung eine Corynella sein - leider mit "sp". Ich hab Dir einen Scan aus Quenstedts Jura angehängt, auf dem diese Corynella sp. im schwarzen Rechteck zu sehen ist.

Für eine Corynella quenstedti (links unterhalb der "sp.") scheinen mir die Osculi jedenfalls zu groß und zu tief zu sein. Und leider hast Du das Paragaster so brutal weggeätzt :wink: , dass man nicht mehr sehen kann, ob in der Mündung radial angeordnete Kanäle verlaufen...

Es ist das alte Leid: Machst Du das Nadelskelett eines Schwamms durch Ätzen sichtbar, dann sind die äußeren Merkmale, die man zum Bestimmen braucht, dahin.

Aber schön sind die Nadeln eben doch...

Lieber Gruß Michael
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Miroe
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Beitrag von Miroe » Samstag 10. Januar 2009, 21:11

wasserfloh hat geschrieben: Und leider hast Du das Paragaster so brutal weggeätzt :wink: , dass man nicht mehr sehen kann, ob in der Mündung radial angeordnete Kanäle verlaufen...
Servus Michael,

vielen Dank für Deine Bestimmungshilfe! Das werde ich mal einloggen.

Eines muss ich aber doch richtig stellen. Ich zitiere mich selbst (wer lesen kann, bleibt im Vorteil :wink: ): "Bei meinem kleinen Fossil hat die Natur präpariert".

Ich habe nichts an dem Stück chemisch oder mechanisch verbrochen, es ist so abgebildet, wie im Steinbruch gefunden, nur mit klarem Wasser der hiesigen Wasserversorgung gewaschen.

Allein Mutter Natur hat hier präparatorisch Hand angelegt, vielleicht auch ätzend.

Beste Grüße
Michael

P.S.:
Es wäre ein Traum für mich, wenn ich so selektiv und schonend ätzen könnte.

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wasserfloh
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Beitrag von wasserfloh » Sonntag 11. Januar 2009, 09:37

Hallo Michael,

peinlich, peinlich. Hab mich wohl mehr auf die Bilder als auf den Text konzentriert. Und: Jaja, was der saure Regen so alles anrichten kann - ist manchmal besser als Salz- und Essigsäure...

Sorry nochmal

Michael

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Eberhard
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"Schwammiges"

Beitrag von Eberhard » Sonntag 11. Januar 2009, 15:46

Hallo Steinkerne,

schwammig sind meine Bestimmungsversuche. Den schönen Quenstedt
habe ich leider nicht zur Verfügung. Lang ist`s her-ich denke daß mir
damals mein Fraas diese vorläufige Bestimmung ermöglichte.
Wer mag mir bei einer exakteren Bestimmung helfen? Dank ist gewiss!

Eberhard
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S6004396.JPG
Schwamm, H=75mm
Cypellia
Funddatum 1983, Veilbronn b. Heiligenstadt
S6004396.JPG (191.04 KiB) 14604 mal betrachtet
S6004393.JPG
Schwamm, H=90mm
Placosmilia
Funddatum 1974, Veilbronn b. Heiligenstadt
S6004393.JPG (196.57 KiB) 14613 mal betrachtet
S6004390.JPG
Schwamm, 120mm D.
Funddatum Aug. 2002, Kälberberg
S6004390.JPG (192.32 KiB) 14611 mal betrachtet
S6004387.JPG
Schwamm oder Koralle ? Höhe 30mm
Tremadictyon reticulatum
Funddatum 1976, Siegritz, Fränk. Schweiz
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wasserfloh
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Beitrag von wasserfloh » Sonntag 11. Januar 2009, 20:39

Hallo Eberhard,

der erste Schwamm ist ein Tremadictyon reticulatum, wie es auch im Bildkommentar vermerkt ist (typische "netzartige" Anordnung der großen Poren). Für den Schwamm auf dem Bild darunter kommt m. E. schon aufgrund der weiten schüsselförmigen Mündung nur ein Cnemidiastrum rimulosum in Frage.

Zum dritten Bild: Eine Placosmilia kann das nicht sein, weil das eine Koralle wäre. Es handelt sich aber um einen Schwamm. Die typische Mützenform und die länglichen Kanäle weisen ihn als Cypellia dolosa aus. Beim letzten Bild bin ich mir nicht sicher, tendiere aber auch zu Cypellia. Nur welche?

Schön, dass jetzt im Forum - fast wie im Herbstwald - immer mehr "Schwammerl" auftauchen, das freut mich schon sehr. Wie man sieht, gibt es doch einige Fossilienfreunde, die auch diesen Geschöpfen Raum in ihrer Sammlung geben.

Lieber Gruß

Michael

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Eberhard
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"Schwammiges"

Beitrag von Eberhard » Sonntag 11. Januar 2009, 22:13

Hallo "Wasserfloh" Michael,

toll, daß Du mir so schnell helfen konntest. So sieht das in meiner
Sammlung gleich etwas professioneller aus.
Mit den Schwämmen geht es mir ähnlich wie bei den Schwammerln (Pilzen)
Einmal einen gefunden, ist der Blick nicht mehr vom Erdboden, bzw. der
Fundschicht zu lösen. Die Vielfältigkeit der Formen und Strukturen
überrascht mich immer wieder.

Vielen Dank,


sagt Eberhard

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Günni F
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Danke!

Beitrag von Günni F » Montag 12. Januar 2009, 08:33

Danke für den tollen Bericht und die interessanten Kommentare!
Es tut richtig gut zu sehen, dass auch andere Sammler die Schwämme schätzen - nicht alle meiner Kollegen tun dies. Da ich nah an den Schwammriffen der Fränkischen Schweiz wohne, befinden sich mittlerweile mehrere Hundert Schwämme in meinem Keller - von weniger als 1 cm Durchmesser bis zu 18cm Durchmesser. Nur ans Bestimmen habe ich mich bisher nicht gewagt. Viele der Schwämme aus dem Bericht kommen mir aber sehr bekannt vor, so dass ich mal in meinen Kisten wühlen werde...

Vielleicht trifft man sich im Frühjahr ja mal am Kälberberg, in Teuchatz, SIegritz, Veilbronn oder Hetzelsdorf!

Viele Grüße!
Günni

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Ataxioceras
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Beitrag von Ataxioceras » Montag 12. Januar 2009, 18:57

Hallo Leute,

Schwämme werden wirklich als Sammlungsobjekte immer wieder unterschätzt. Gut natürlich für diejenigen Sammler, die sich hierfür interessieren. :lol:
Anbei ein Bild mit ein paar Schwämmen aus Ludwag und der Hohenmirsberger Platte (sorry für die schlechte Bildqualität). Das gute Stück in der Mitte stammt von der Hohenmirsberger Platte (ehemalige Sammlung Dr. Pietsch - Druchmesser ca. 40 cm). Die beiden flankierenden Stücke links (ca. 30 cm) und rechts hinten (ca. 20 cm) wurden in Ludwag gefunden.

Schöne Grüße

Volker
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Schwämme (Small).jpg
Schwämme Ludwag, Hohenmirsberger Platte
Schwämme (Small).jpg (20.35 KiB) 14509 mal betrachtet

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Beitrag von wasserfloh » Montag 12. Januar 2009, 21:31

Oh Mann, sind das Dinger!

Dabei hatte ich doch im vergangenen August auf der Hohenmirsberger Platte nach Schwämmen gesucht, aber nichts Gescheites gefunden. Ist aber auch kein Wunder, wenn da so ein glücklicher Sammler schon vor mir war...

Neidvoller :wink: Gruß

Michael

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