Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

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Sönke
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Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von Sönke » Freitag 3. November 2017, 21:03

Liebe Steinkern-Mitglieder,

hier kann über den gerade auf der Homepage erschienenen Beitrag "https://www.steinkern.de/fossilien-alle ... iefer.html" von Guido M. Berndt diskutiert werden.

Gruß
Sönke

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janassa
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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von janassa » Freitag 3. November 2017, 22:21

Hallo Guido,

danke für das Vorstellen des Fisches, der in der Größe nicht so häufig in halbwegs kompletten Stücken vorkommt. Doch welch ein Aufwand für ein banales Fossil! 20h! Das kann nur jemand leisten, der zudem noch 5h im Auto sitzt?! :lol:
Insbesondere der Transfer der Schuppen ist problematisch, da diese immer bröseln. Das wurde gut gemeistert, toll.
Auch "Spaltstücke" mit kompletten Schuppen auf einer Seite sind sehr selten.
Alles in allem war es sicher eine schöne Übung zur Präparation für die seltenen Funde, die auf den nächsten Exkursionen folgen (wünsch ich dir). Bei Knochen und Zähnen lässt sich eine solche Präparation leichter durchführen.
Nochmals Danke fürs Vorstellen und die Stärkung der Lobby der (vorerst noch winzig kleinen) Ober-Perm Fraktion bei Steinkern!

Dann weiterso, Glück Auf!
Silvio

PS: Die zitierte Literatur ist so alt wie der Fisch :roll: :D
Das Kupferschieferbuch von Haubold & Schaumberg 1985 ist nach wie vor sehr gut, zu den Mansfelder Fossilien gibt es noch ein Heft von 1997 (Schriftenreihe des Mansfeld-Museum Nr. 2, 1997 - Die Fossilien des Mansfelder und Sangerhäuser Kupferschiefers)
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Stefan B.
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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von Stefan B. » Freitag 3. November 2017, 22:31

Hallo Guido,

vielen Dank für den interessanten und vor allem anschaulichen Bericht.
Da es nicht einfach ist, an einem Sammlertag im Mansfelder Revier einen nahezu kompletten Fund zu machen, freut es mich ganz besonders, dass es dir und deinem Sohn als Gastsammler trotzdem gelungen ist. Herzlichen Glückwunsch dazu.
Die Präparation ist dir prima gelungen. Da die Transferpräparation im Kupferschiefer ja eher unüblich ist und ich mich damit auch nicht auskenne, würde mich interessieren, warum du nur Teile des Negativ übertragen hast. Könntest du das bitte kurz erläutern?

Grüße aus Nordhessen
Stefan

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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von LITHOPS » Samstag 4. November 2017, 12:47

Hallo Guido,

der "Hering" ist ja sehr hübsch geworden, da zahlt sich die Erfahrung mit Solnhofen Fossilien schon aus.
Herzlichen Glückwunsch zu dem Fund.

Grüße, Jürgen

Hoffi1983
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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von Hoffi1983 » Mittwoch 15. November 2017, 21:51

Hallo Guido,

leider habe ich viel zu spät deinen tollen Bericht bemerkt. Eine großartige Arbeit und herzlichen Dank für diesen Bericht und das tolle Ergebnis! Wie Silvio schon sagte ist so ein Sammel-und Präparationsbericht sehr geeignet um im Ein oder anderen Leser mehr Interesse für dieses spannende Sammelgebiet zu wecken. Mich jedenfalls lässt die Faszination Kupferschiefer seit meinem ersten "Hering" nicht mehr los. Ich freue mich über jeden der sich ebenfalls für diese schönen Fossilien begeistern kann.

Die Präparation finde ich im Übrigen sehr interessant! Methoden die im Plattenkalk seit vielen Jahren üblich sind und die auch im Kupferschiefer zu tolleren Präparationsergebnissen führen sollten, sind m.E. bisher einfach nicht üblich. Über so eine Art Transferpräparation und über das durchpräparieren ungespaltener Platten habe ich auch schon mehrfach nachgedacht aber bisher mangels Zeit nie durchgezogen. Umso schöner zu sehen das du es einfach mal gemacht hast-dazu spricht das Ergebnis absolut für sich und diese zusätzliche Mühe. Mich hat es zumindest überzeugt und das nächste Material was mir in die Finger kommt wird auch durchpräpariert und nicht gespalten.

Ich wünsche viel Glück für die nächste Exkursion in den Kupferschiefer, meine letzte ist leider schon viel zu lange her😉
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Viele Grüße
Christian

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Sönke
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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von Sönke » Mittwoch 15. November 2017, 23:06

Hi zusammen,

dem Lob zum Bericht kann ich mich auch öffentlich nur noch einmal anschließen, ich hatte mit Guido ja schon vorher persönlich dazu Mails ausgetauscht. Interessant finde ich, dass das Transferverfahren im Prinzip bisher im Kupferschiefer zumindest für Fische kaum angewendet worden zu sein scheint.
Hoffi1983 hat geschrieben:
Mittwoch 15. November 2017, 21:51
Mich hat es zumindest überzeugt und das nächste Material was mir in die Finger kommt wird auch durchpräpariert und nicht gespalten.
Dem entnehme ich, dass Du gar nicht unbedingt eine Transferpräparation probieren willst, sondern vorhast direkt auf Querbruch zu spalten, damit gar keine Transferpräparation notwendig wird, Christian? Diese Herangehensweise ist ja z. B. an bestimmten Plattenkalklokalitäten (dort wo sich die Fossilien nicht so gut "durchpausen") üblich und bewährt, vermeidet doch durchaus Substanzverluste, die man bei verrissenen Stücken immer hat, während eine glatte Bruchfuge nach Abschluss einer Präparation kaum noch als "Schönheitsfehler" wahrnehmbar ist.

Die "massenhafte Praxistauglichkeit" hängt natürlich auch etwas davon ab, wieviele Fische nur fragmentarisch erhalten sind, wo sich dies also nicht lohnt, was man dann erst nach zig Stunden Anpräparation merken würde. Sonst muss man sehr viel einpacken und anpräparieren, was natürlich denkbar ist. Wenn ich mir das Ergebnis von Guido ansehe, habe ich den Eindruck, dass es wirklich im Kupferschiefer Alternativen zum Split-Finish gibt. Ist natürlich so´ne Sache bei den "Allerweltsfossilien", für einen Kupferschiefer-Sammler also wohl nahezu undenkbar jeden Palaeoniscum "durchzupräparieren". Im Prinzip übersieht man aber wohl beim Spalten auf Querbruch zumindest größere Fossilien weniger oft als wenn man Längsbrüche produziert, also auch von daher eine bedenkenswerte Methode. Spannend wäre dann noch, wie gut man die unterschiedlichen Fische (zur Priorisierung von Präparationen) bereits am Querbruch erkennen kann. Das könnte schwierig bis unmöglich werden, da alles ziemlich flach ist, oder sind die Brüche charakteristisch genug?
Aus dem Muschelkalk weiß ich, dass die (dort allerdings auch recht großen) Bruchkanten den wenigen erfahrenen Präparatoren schon anhand der Querbrüche oft eine ziemlich genaue Ersteinschätzung erlauben, um was es sich handelt.

Je mehr also Querbrüche zur Interpretation hergeben, desto interessanter wird aus meiner Sicht die Anwendung der entsprechenden Steinspalttechnik.

Viele Grüße
Sönke

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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von Hoffi1983 » Donnerstag 16. November 2017, 08:09

Hallo Sönke,

stimmt genau! Besser als spalten und dann wieder mühselig zusammenfügen und ggf. transferieren ist natürlich erst gar nicht zu spalten. Dies bringt, wie du schon sagtest, ein paar Probleme mit sich und ist nur bei wenigen Stücken sinnvoll. Ein flächendeckendes Spalten auf Querbruch schon auf der Halde dürfte nicht wirklich praktikabel machbar sein.
Allerdings kommt es ab und zu vor, dass fossile Substanz schon auf der Halde im Querbruch zu erkennen ist. Wenn es sich dann auch noch um eine größere Platte handelt ist zumindest eine gute Chance gegeben ein halbwegs vollständiges Fossil vorzufinden. Hier bin ich seit geraumer Zeit dazu übergegangen gar nicht erst zu spalten. Restrisiko bleibt natürlich immer-meine so aufgelesenen und durchpräparierten Stücke waren allesamt "Nieten" mit Bruchstücken. Das gute war ich hatte was zum üben und in der Sache klappt diese Art der Präparation gut und brachte gute Ergebnisse, wenn in diesen Fällen auch nur partielle Fische vorlagen.

Das Erkennen und unterscheiden von Querbrüchen erfordert etwas Erfahrung und funktioniert nicht auf Artebene aber es haut ganz gut hin eine Unterscheidung zwischen "Hering" und "Nicht-Hering". Manchmal erkennt man auch schon welche Region des Fossils ausstreicht und kann dann schon überlegen ob es überhaupt sinnvoll ist nicht zu spalten.
Irgendwann habe ich mal ein lohnenswertes Stück, werde das auf die Art präparieren und hier dann auch vorstellen.
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Viele Grüße
Christian

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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von Acrodus » Donnerstag 16. November 2017, 10:32

Sönke hat geschrieben:
Mittwoch 15. November 2017, 23:06

Aus dem Muschelkalk weiß ich, dass die (dort allerdings auch recht großen) Bruchkanten den wenigen erfahrenen Präparatoren schon anhand der Querbrüche oft eine ziemlich genaue Ersteinschätzung erlauben, um was es sich handelt.

Je mehr also Querbrüche zur Interpretation hergeben, desto interessanter wird aus meiner Sicht die Anwendung der entsprechenden Steinspalttechnik.

Viele Grüße
Sönke
Hallo Sönke,

naja es ist eher so wie Hoffi1983 es beschreibt: man kann auf Artebene natürlich keine Unterscheidung machen, aber es gelingt meist schon zumindest eine Richtung oder Gattung einzugrenzen (Colobodus versus Gyrolepis versus Coelacanthidae etc.). Viel hängt auch davon ab, wo der Bruch langläuft bzw. wieviel Aussagekraft dann die Stelle/der Bruch wirklich hat..

Beste Grüße,
Acrodus

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Sönke
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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von Sönke » Donnerstag 16. November 2017, 10:49

Hallo Hoffi und Acrodus,

@Hoffi: Danke für die Infos! Dann drücke ich die Daumen, dass sich bald ein passender Fund für so eine Dokumentation einstellt, über die ich mich sehr freuen würde. :)

@Acrodus: Danke für die Erläuterung, die für manchen hier sicher neue Informationen liefert und daher noch eine wertvolle Ergänzung zum von mir angesprochenen Beispiel aus dem Muschelkalk darstellt.

@alle:
Ein weiterer Ansatz wären Schrägbrüche. Man versucht dabei die Steine mit dem Hammer so zu treffen, dass ein leichter Schrägbruch entsteht. Bei diesen Brüchen kann es, aufgrund des Ausbildung einer Trennfuge bei Fischen dazu kommen, dass einige Millimeter oder auch mal ein Zentimeter der Fossilsubstanz freiplatzen (ohne dass gleich die gesamte Oberfläche verspaltet). Vorteil: Der Fisch ist bereits besser interpretierbar als bei einem glatten Querbruch, weil man z. B. die Form der Schuppen erkennt.
Inwieweit man solche Bruchstrukturen im Gelände erfolgreich reproduzieren kann, ist natürlich materialabhängig. Ich würde sowas alles mal versuchen, wenn ich entsprechendes Material vor der Nase hätte, um dann so etwas wie die persönliche "best practice" daraus abzuleiten. Diese scheint im Kupferschiefer allerdings ein Mix aus unterschiedlichen Faktoren zu sein bzw. muss eben auch im Sammelalltag praktikabel sein.

Viele Grüße
Sönke

fossihagen
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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von fossihagen » Donnerstag 16. November 2017, 12:29

Hallo Sönke,
ich denke, dass das Hauptproblem die Fundstatistik ist.
Beim guten Spalten geht im KuSchi nicht so viel verloren, da das Fossil die Schwachstelle ist.
Schräg Spalten kann ich mir nicht so gut vorstellen.
ich finde die gezeigte Qualität sehr gut und wenn man einen solchen Fund macht, lohnt es auch.
So wahnsinnig viele gut erhaltene und günstig liegende Fische findet man im KuSchi nun auch wieder nicht.
Die großen sind i.A. nicht komplett und die kleinen verdammt selten.

Grüße
H.
Fossihagen

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stefan78
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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von stefan78 » Donnerstag 16. November 2017, 14:14

Hallo,

neben der gelungenen Präparation finde ich bei dem gezeigten Palaeoniscum auch die Substanzerhaltung durchaus bemerkenswert. Der satte metallische Schuppenglanz reflektiert einen ganz anderen Erhaltungsgrad als den jener Fische, die ich vor etwa 20 Jahren durch oberflächliches Graben in den oftmals seit Anfang des 20. Jahrhunderts und länger offenliegenden Halden zwischen Mansfeld und Gerbstedt bergen konnte. Es ist schön, zu sehen, daß der Haldenrückbau mancherorts offenbar sehr frisches Material zutage fördert.

Etwas off-topic eine Ansammlung von Kupferschieferfischen, die wir vor einigen Wochen an einer Hauswand im Südharz entdeckten; ich vermute Bad Sachsaer Schiefer und frage mich, ob hier die Ästhetik oder der Frevel überwiegt, die Fische der Verwitterung auszusetzen :conf:

Grüße,
Stefan.
Dateianhänge
Vorharz_Kupferschiefer.jpg
Hauswand, Südharz
Vorharz_Kupferschiefer.jpg (697.42 KiB) 424 mal betrachtet

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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von Acrodus » Donnerstag 16. November 2017, 18:02

Uiweh, das tut beim Hinschauen schon weh - da sind schon schöne Stücke dabei die da an der Hauswand vergammeln... :(

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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von Hoffi1983 » Donnerstag 16. November 2017, 19:05

Würde hier auch eher zu Frevel tendieren😉 Wie du schon sagtest ist Kupferschiefer nicht besonders witterungsbeständig und vergammelt einfach irgendwann. Deshalb auch die extrem variable Erhaltung der Fossilien von wunderschön in bergfrischem "Schiefer" zu undefinierbarem Klumpatsch nach Jahrzehnten offenliegend auf der Halde. Besonders ärgerlich immer dann wenn einem tatsächlich einmal etwas seltenes, das ist so ziemlich alles ausser Palaeoniscum, ins "Netz" geht.
Oben links meine ich einen Platysomus zu erkennen der vermutlich sogar vollständig sein dürfte. Der Rest scheint noch im Stein zu stecken. Der letzte vollständige den ich gesehen habe war mit 750€ ausgepreist. Habe auch den Eindruck das mind. 1-2 der anderen keine "Heringe" sind, kann aber auch täuschen.

Glaub Bad Sachsa war eine zeitlang einfach das ElDorado für Kupferschiefersammler. Aufgrund der riesigen aufgeschlossenen Fläche waren auch Raritäten öfter einmal dabei und viele wussten das dann offenbar nicht zu schätzen/die eigentliche Seltenheit nicht zu würdigen.
Wäre gern dabei gewesen, war aber deutlich vor meiner Zeit.
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Christian

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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von janassa » Donnerstag 16. November 2017, 20:24

@ Alle

Ich wollte mich auch mal kurz äußern :P (Sorry soll nicht überheblich klingen, nur meine Meinung und 35 Jahre Erfahrung)

Alles gute Ideen, aber funktionieren wird das meiner Ansicht kaum, bedingt oder garnicht.
1. Eine "Transferpräparation" wird im Kupferschiefer schon seit Jahrzehnten angewendet, ist also nicht neu. Ob das nun bei Palaeoniscum sein muss, bezweilfe ich wegen Aufwand und Ergebnis.

2. Je dicker die Fossilsubstanz, umso besser das Ergebnis, ergo bei Reptilien, Coelacanthus-Schädel funktioniert das prima. Alle Pflanzen, kleine und normale Palaeoniscum-Ex., Acentrophorus, Janassa- u.a. Knorpelfisch-Haut etc. keine Chance (würde mich riesig freuen, wenn es nicht so wäre). Haischädel, große Ganoiden funktionieren so teilweise (meist nur Schädel, z.B. Pygopterus, Acrolepis etc.).

3. Querbrüche lassen das Potential und die Gattung oft schon grob abschätzen anhand der Dicke der Substanz.

4. Die Verwendung von Druckluftsticheln bei (normalem) Palaeoniscum ist zweifelhaft, das hier oft Substanzen von unter 0,5 mm vorliegen, manchmal sogar noch darunter, je nach Schicht. Jeder der viel im Kupferschiefer gespalten hat, kennt dass, das beim Spalten die Fossilsubstanz abbröselt, das passiert i.d.R. auch beim Sticheln, mglw. nicht komplett, aber teilweise. Denn das Fossil mit seiner bröseligen Substanz ist immer der Schwachpunkt im Gestein. Reticulolepis zerbröselt fast ständig trotz dicker Substanz.

5. Verwitterung (geht gar nicht) und Schieferhorizont spielen genauso eine wichtige Rolle. Feine Lette hat gar keine Fossilsubstanz, Grobe Lette wenig, die leicht zerbröselt. Schwarze Berge auch. Kammschale geht vielleicht am besten, Dachklotz ist sehr fest...
Die Fossildichte nimmt wie der Erzgehalt stratigraphisch nach oben hin ab, es wird also schon sehr schwierig sein ein potentielles Stück auf der Halde zu finden.

6. Ist der Fisch einmal komplett gespalten (schräg spalten geht nicht wegen der "Schieferung") ist es eigentlich schon zu spät, den dann Zusammenkleben und präparieren, da bleiben zu viele Lücken, Luftblasen etc. was das zerplatzen wiederum fördert. Deshalb bei Schädeln Reptilien etc. immer beide Seiten mitnehmen, hier lohnt eine Präparation!

7. Was gut geht, wenn manchmal nur eine dünne Schicht über dem Kupfschiefer liegt, da kann man präparieren, sticheln etc. - Stücke dieser Art sind aber sehr selten. Das wird aber immer sehr gut.
Das Schonendste bleibt immer noch die Präparation mit Hand, Nadel, Skalpell. Auch das Strahlen funktioniert bei einer dünnen Schicht Kupferschiefer (vorher also immer grob abschleifen) und wurde vor etlichen Jahren schon perfektioniert mit Glas, rund; nicht kantig, kein Eisenpulver o.ä. Da durch die Glaskugeln zusätzlich die Oberfläche etwas gehärtet wird, erreicht man da etwas mehr Sicherheit vor dem Wegplatzen, feinste Strukturen gehen aber dennoch immer verloren, werden quais geglättet.

8. Das was man machen kann und lange praktiziert wird bei Sammlern, ist bei "Verspaltenen" Fossilien Teile der Gegenplatte zu spalten und zu transferrieren oder vorher zu transferrieren und dann von oben wegzupräparieren, so wie das Guido gemacht hat, meist sind das aber eher kleine Bruchstücke und nicht so groß wie bei ihm. Insofern ist das eine tolle Fleißarbeit, über die man sich freuen kann, wenn man den KS nicht vor der Tür hat. Sonst lohnt der Aufwand eher
nicht.

9. Sicher geht Vieles und auch mal Ausnahmestücke von der Erhaltung (wie z.B. 3D-Koniferenzweigstücke), probiert es aus, es muss dem Finder gefallen, er wird sein Bestes draus machen und er freut sich. Das ist doch OK. Stücke zum Üben finden sich zahlreich auf der Halde, vielleicht hat doch noch jemand eine weitere Idee...


So nun haut auf mich drauf :achso: :heul: , das ist nur mein persönliches Fazit.

Gruß Silvio

PS: Fossilien an der Hauswand, was solls. Wem das gefällt. Meist Palaeoniscum. Wenn was Seltenes dabei gewesen wäre, hätte sich da des Nachts vielleicht jemand mal beim "Spalten an der Hauswand" versucht, wo wir schon die gesuchte neue Innovation haben, aber diese Stücke sind ja noch viel viel seltener ... :lol:
Zum Glück!
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Hoffi1983
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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von Hoffi1983 » Donnerstag 16. November 2017, 22:37

Hallo Silvio,

super das du dich auch nochmal zu Wort gemeldet hast! Durch deine Erfahrungswerte aus 35 Jahren und dein Wissensschatz über den KS hast du natürlich nochmal tiefere Einblicke in die ganze Präparationsproblematik. Das es Transferpräparationen oder andere aufwändigere Präparationsmethoden im Einzelfall bei besonders wertvollen Stücken schon lange gibt, die dann von einer handvoll Leute auch meisterhaft umgesetzt werden, wollte ich nicht in Abrede stellen. Mir ging es darum, dass es in der Breite aus verschiedenen Gründen halt einfach nicht gemacht wird. Im Vergleich zum (zugegeben einfacher zu bearbeitenden) Plattenkalk, wo es gefühlt mittlerweile zum "Tagesgeschäft" gehört Platten aufzudoppeln, zu transferieren und /oder nach dem wiederzusammenfügen von Plattenhälften von aussen durchzupräppen. Ich habe den Eindruck das sich da einfach mehr Leute rangewagt haben und zu guten Ergebnissen gelangt sind und es nicht nur bei den "once in a lifetime"-Funden gemacht wird.
Warum also nicht versuchen aus diesen Erfahrungen zu lernen? Auch wenn vieles sich nicht wirklich praktikabel auf den KS übertragen lässt, könnte die ein oder andere Methodik sicher auch angewandt werden. Oben finden wir ja auch ein schönes Beispiel dafür. Klar, Aufwand und nutzen müssen im Verhältnis stehen aber meine "Blindflüge" bei Stücken die vorher nur im Querbruch zu sehen waren, waren in der Sache vom Ergebnis überzeugend. Am Ende zwar "nur" Heringsbruchstücke jnd nicht Sammelwürdig, aber es ist mir beispielsweise gelungen eine Schwanzflosse (Beide Loben und die Flossenwurzel am Übergang zur Flanke, dann war Schluss) sehr schön in 3-D herauszuarbeiten. Meines Erachtens optisch ein deutlicher Gewinn ggü. dem Spaltfossil. Unterm Strich waren das auch nur Testläufe , inspiriert von den Präparationstechniken der "Plattenkalkler".
Das Schuppen bröseln und auch sonst Substanz durch den Luftstrahl verloren geht ist ein Problem, ließ sich aber mit extrem verdünntem Sekundenkleber gut stabilisieren. Die Stücke die ich bisher so gepräppt habe waren reine Testobjekte mit recht kleinen Flankenflächen und allesamt Palaeoniscum. Mag sein, dass es nicht in allen Bereichen des Fisches ähnlich gut und/oder bei anderen Gattungen gar nicht mit der Stabilisation klappt.

Gut das du Reticulolepis explizit erwähnt hast und das er zur Zerbröselung neigt. Wäre einer der ersten Kandidaten für mich gewesen an den ich mich außerhalb des "Übungsmodus" getraut hätte. Dann lass ich das lieber.
Auch sonst wieder etwas Neues gelernt, wusste bisher nicht das das Strahlen von Kupferschiefer überhaupt funktioniert oder öfter praktiziert wird. Hört sich auch interessant an, auch wenn das Glätten von Fossildetails es wohl nicht zur ersten Wahl macht😉

Vielen Dank für die vielen weiteren Aspekte-draufgehauen wird hier nur auf Platten! Nächstes Jahr müssen wir unbedingt mal wieder zusammen los. Ich brauche dringendst weiteres Übungsmaterial und die Sammlung weist ja auch noch genügend Lücken auf😂
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Viele Grüße
Christian

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