Bericht: Muscheln nach westfälischer Art

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Moderator: Sönke

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Tapir
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Bericht: Muscheln nach westfälischer Art

Beitrag von Tapir » Montag 21. Januar 2013, 17:08

http://steinkern.de/praeparation-und-be ... r-art.html

Schöner Bericht zu einer wirklichen Museumsstufe. Und durchaus ansehnliche Aufschlussbegleitung. ;)

Treten neben Austern in der Bank auch andere Faunenbestandteile auf? Im Dogger der Gegend um Bückeburg gibt es ja auch so eine Austernbank, die neben grottenschlecht erhaltenen Ammoniten und Muschelkleinkram mitunter auch das eine oder andere Teilchen eines Wirbeltierchens führen....
Glück auf!

Johannes Kalbe

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Re: Bericht: Muscheln nach westfälischer Art

Beitrag von Sönke » Dienstag 22. Januar 2013, 20:59

Danke Johannes,

zwischen den Austern fanden sich auf dieser Platte, was man erst beim Strahlen mit Eisenpulver bemerkte, auch einige kleine Schwefelkieskerne von Muscheln.
Etwa in dem Bereich habe ich in der Austernlage eine Coroniceras-Wohnkammer gefunden, die aber nicht unbedingt als Strömungsfalle gewirkt haben muss.

In einem anderen Austernfeld 50 Meter weiter, vermutlich ungefähr (oder sogar exakt) in derselben Schicht, fiel mir hingegen eine Vergesellschaftung mit dem Brachiopoden Spiriferina auf. Leider waren von Spiriferina nur verdrückte Exemplare und zerquetschte Einzelklappen zu finden gewesen. Die Austern von dieser Stelle habe ich nur lose geborgen, von hier stammt der Haufen auf Abb. 1.

Saurierwirbel habe ich nicht gefunden, dafür hatte meine Mutter mehr Glück und fand trotz weitaus weniger Besuchen auf der Baustelle gleich zwei Wirbel. Einer lag oberflächennah und war so mehlig, dass er zerbröselte. Der andere Wirbel stammte aus einer Schicht etwa einen Meter oberhalb der Austernlage, der andere war ein Haldenfund. Direkt neben den Austern haben wir keine Wirbeltierreste gefunden. Auf dem Gelände sollen aber noch Tiefgaragen entstehen. :bg:

Viele Grüße
Sönke
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schwefelkiesmuscheln.jpg
Dieser Schnappschuss mit Blitz zeigt beispielhaft kleine pyritisierte Muscheln zwischen den Austern.
schwefelkiesmuscheln.jpg (182.02 KiB) 18840 mal betrachtet

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Re: Bericht: Muscheln nach westfälischer Art

Beitrag von paul93 » Mittwoch 23. Januar 2013, 09:58

Moin Sönke!

Auch von mir Glückwünsche zur fertigen Platte!
Super, dass du sie bergen konntest und ddu die Präparation nicht
allzu lange hergeschoben hast. Das Ergebnis ist wunderbar.
Auchgefällt mir dein Video zur Präparation, es zeigt schön das "Dahinschmelzen" der Matrix.

Konntest du noch komplettere Arietidae bergen, oder blieb es bei den Bruchstückhaften?

Liebe Grüße!
Paul
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Re: Bericht: Muscheln nach westfälischer Art

Beitrag von Sönke » Mittwoch 23. Januar 2013, 11:07

Hi Paul,

danke!

Es wurden zwei exquisite Arietitidae der Gattung Coroniceras gefunden, einer von mir und einer von meinem Sammlerfreund Siegfried aus Steinhagen. Sie sind aber nur rund 12 cm groß.
Wenn der zweite auch fertig ist, werden wir sie veröffentlichen. Das eine Stück ist sehr interessant, weil es extrem dicht berippt und weitnabelig ist. Es ist jedoch ungemein schlecht zu präparieren. Mein Fund ist dagegen ein klassischer Coroniceras lyra.

Siegfried hat auch mehrere teilweise verdrückte Groß-Ammoniten geborgen. Ich bin gespannt, was er da herausholen kann.

Viele Grüße
Sönke

P.S.: Vielleicht mal eine Frage in die Runde, speziell an diejenigen, die mit Gipsbergungen Erfahrung haben. Kann man sich das Verbauen von Gegenständen und Mullbinden bei dieser Größenordnung eigentlich sparen, oder bringt das etwas? Ist es überhaupt üblich solche Platten mit Gips zu bergen oder was hättet Ihr verwendet? Die Frage gilt auch für das Härten mit Ponal. Es hat zwar letztenendes alles funktioniert, aber man kann es ja möglicherweise auch einfacher haben...

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Re: Bericht: Muscheln nach westfälischer Art

Beitrag von Tapir » Mittwoch 23. Januar 2013, 11:59

Ich würde jedenfalls nichts nehmen was rostet, und auch bei einem höheren Pyritgehalt würde ich die Finger vom Gips lassen, da er ziemlich hygroskopisch ist.
Glück auf!

Johannes Kalbe

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Re: Bericht: Muscheln nach westfälischer Art

Beitrag von paul93 » Mittwoch 23. Januar 2013, 12:26

Moin Sönke!

Das hört sich ja toll an, ich bin gespannt! :top:

Zum Stabilisieren immer genial: Akemi mit Glasfasermatten, das hält wirklich bombenfest.
Kann man auch im Gelände machen, man muss nur alles mitnehmen.
Das mit den Bohrern usw. habe ich auch öfter probiert (allerdings nicht mit Gips), geht ganz gut,
besser finde ich da aber Metallgitter; die halten sicher und man kann sie auch passgenau zuschneiden.
Die Sicherung mit Mullbinden und Gips ist auch gut, gerade fürs Gelände.
Johannes´Anmerkung zur Unverträglichkeit mit Pyrit sollte man aber denke ich im Hinterkopf behalten.

Liebe Grüße!
Paul
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Re: Bericht: Muscheln nach westfälischer Art

Beitrag von schdeidel » Donnerstag 24. Januar 2013, 17:28

Hi Sönke,


toller Beitrag und ein wirklich schönes Stück.
Ich war vor allen Dingen ganz angetan von deiner professionellen Fotodokumentation der Präparation. Schön das du auch ein kleines Video erstellt hast. In dem Video nutzt du einen Unschärfe-Überblendungseffekt für den Bildwechsel. Hast du vielleicht auch schon mal an der Stelle über Morphing nachgedacht? Das würde mE die Fortschritte noch ein wenig deutlicher hervorbringen. Im Zuge eines anderen kleinen privaten Projekts benutze ich FotoMorph. Nach ein wenig Eingewöhnung ist das sehr intuitiv zu benutzen.

Grüße
schdeidel
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Re: Bericht: Muscheln nach westfälischer Art

Beitrag von Sönke » Donnerstag 24. Januar 2013, 18:11

Hallo schdeidel,

danke für Deinen Kommentar und den Vorschlag. Ich werde das mal testen!

Allerdings - dafür bitte ich um Verständnis - habe ich Deinen Download-Link von Softonic entfernt. Davor kann ich nur warnen: da kriegt man den Trojaner zum Gratis-Download ebenfalls gratis :gefahr:
Auf seriöseren Seiten steht das Programm aber auch zum Download. :wink:

Viele Grüße
Sönke

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Re: Bericht: Muscheln nach westfälischer Art

Beitrag von Sönke » Donnerstag 24. Januar 2013, 18:46

Hallo schdeidel,

ich habe mir das Programm zwischenzeitlich heruntergeladen (auch beim Download über Chip.de muss man aufpassen, dass keine Toolbars installiert werden).

Jetzt habe ich folgendes Problem: ich finde keinen Knopf, wo ich die Ausgabegröße der Animation umstellen kann? Alles andere klappt, aber er skaliert mir meine Grafiken auf die standardisierten 400x300 Pixel, was ich nicht möchte. Vielleicht kannst Du mir weiterhelfen, wäre nett.

Viele Grüße
Sönke

P.S.: Ich bin inzwischen fündig geworden. :wink:

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Re: Bericht: Muscheln nach westfälischer Art

Beitrag von AndyM » Freitag 25. Januar 2013, 06:38

Hallo Sönke.
Vielen Dank für den Bericht und das Video.Ist ein richtig feines Stück geworden !
Ich hatte ja Gelegenheit,das Ganze im Rohzustand zu sehen.
Schöne Grüße
Andreas

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Re: Bericht: Muscheln nach westfälischer Art

Beitrag von Sönke » Freitag 25. Januar 2013, 10:35

Danke Andreas!

@all: Hier ist mein erster Versuch mit der Morphing-Software: http://youtu.be/YUxpXb1MCW8

Man müsste hier noch einiges optimieren. Es läuft - was ich am PC nicht bemerkt hatte, weil die Datei mit 750 Megabyte so groß war, dass der Player beim Abspielen stockte, nicht bemerkt hatte, beispielsweise noch viel zu schnell ab. Ein etwas weniger komplexes Objekt als die Platte mit den vielen Einzelindividuen wäre wahrscheinlich auch besser mit Fixpunkten zu versehen. Ich habe das hier nur automatisch vom Programm ausführen lassen.

@Johannes und Paul: Danke für die Anmerkungen zum Bergungsverfahren! Entschuldigt, die hatte ich zwar nicht übersehen, dann war dann aber abgeschweift, da die Idee mit dem "Morphen" kam.
Wie ist es mit der Anwendung von Akemi bei kühleren Temperaturen? Und wie lange würde bei dieser Größenordnung das Aushärten ungefähr brauchen?

Viele Grüße
Sönke

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Re: Bericht: Muscheln nach westfälischer Art

Beitrag von stefan78 » Freitag 25. Januar 2013, 12:07

Hallo Sönke,

schön gemacht. Interessant ist, daß youtube "Austern Präparation" offenbar mit Kochkursen assoziiert ;)

Grüße,
Stefan.

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alberti
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Re: Bericht: Muscheln nach westfälischer Art

Beitrag von alberti » Samstag 26. Januar 2013, 10:30

Hallo Sönke

Wollte dir auch noch schreiben, daß das ein sehr schöner Beitrag ist. Wir haben vor ein paar Jahren in Eisenach auch ein paar Gryphaen gefunden aber lange nicht so schön wie deine und lange nicht so viele.

Gruß Michael

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Re: Bericht: Muscheln nach westfälischer Art

Beitrag von paul93 » Samstag 26. Januar 2013, 17:38

Moin Sönke!

Also was kalte Temperaturen angeht, kann ich dir versichern, dass Akemi auch
bei +-0 normal arbeitet (zur Zeit ja meine Arbeitstemperatur ;) )
Zum Aushärten braucht es genauso lange, wie bei kleinen Mengen, bei
gleichem Mischungsverhältnis.
Du kannst dann auch etwas weniger Härter nehmen, das geht auch, dauert dann ne gute Stunde;
je nach Menge des Härters.
Ich habe öfter auch schon Quarzsand beigemischt, um Akemi zu sparen;
das klappt auch sehr gut!

Liebe Grüße!
Paul
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Re: Bericht: Muscheln nach westfälischer Art

Beitrag von Sönke » Samstag 26. Januar 2013, 20:50

Hi zusammen,

@Michael und Stefan: ich danke Euch!
Das mit dem Kochen passt dann auch zu meinem für den Bericht gewählten Titel "Austern nach westfälischer Art". :wink:

@Paul: Danke für die Tipps! Das ist eine erwägenswerte Alternative. Vielleicht wäre auch mal eine Akemi-Bergung eine Darstellung auf der Homepage wert.
Die Rubrik "Bergung" ist noch etwas dünn mit Berichten ausgestattet derzeit. Die Idee richtet sich an alle, die diese Technik hin und wieder mal anwenden.

An alle:

Schdeidel hat aus meinen Fotos mit dem von ihm empfohlenen Programm FotoMorph eine verbesserte Darstellung erzielt:
Er hat dazu zunächst alle 9 Bilder eingefügt und dann ca 50 Stützpunkte auf dem Stufenrand und 10 Stützpunkte auf der Stufe an markanten Punkten festgelegt.
Wer noch mal Lust zu schauen, findet das deutlich optimierte Ergebnis hier:
http://www.youtube.com/watch?v=RnKe71LUt68

Viele Grüße und danke an schdeidel für die Optimierung!
Sönke

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