Ein Dornenträger aus der Liasmulde von Herford: Xipheroceras

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Paul Winkler
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Ein Dornenträger aus der Liasmulde von Herford: Xipheroceras

Beitrag von Paul Winkler » Freitag 11. März 2011, 11:44

http://www.steinkern.de/fossilien-aller ... iphus.html

Hi Sönke!

Vielen Dank für deinen anschaulichen Bericht! Stacheltierchen erfreuen sich bei mir schon länger grosser Beliebtheit. Schön auch, dass Du uns an "Lust und Frust" beim Präparieren "dabei sein" lässt. Das kommt mir sehr vertraut vor... Sind diese Ammoniten von anderen Fundorten auch in Schalenerhaltung bekannt? Die Stacheln dürften ja beachtliche Dimensionen erreichen.

Liebe Grüsse Paul

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Stenodactylina
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Beitrag von Stenodactylina » Freitag 11. März 2011, 20:41

Hallo Sönke,

danke für den gut fundierten und lehrreichen Bericht. Ich finde Deiner Ausführung der englischen "Abstract"-Idee auch gut gelungen.

Grüße, Roger
Grüße vom Bodensee! Roger.

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Sönke
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Beitrag von Sönke » Freitag 11. März 2011, 21:59

Hallo Paul und Roger,

danke für Eure wertschätzenden Worte - ich habe mich über die Rückmeldungen zum Artikel gefreut. Diebrock ist eine meiner Hausgruben und da wiegen gut erhaltene Funde (und sei es nur bemessen an dem, was der Fundort sonst so bietet) besonders schwer - im positiven Sinne. :)

Paul, die Frage nach der Schalenerhaltung kann ich leider nicht beantworten. Ich würde aber gerne mal so ein Stück sehen. Ich meine in Dorset kommen sie auch "nur" als Calzitsteinkerne vor, aber vielleicht gibt es auch Ausnahmen? Aus unserer Region kenne ich nur noch die Fundstelle Heßlingen, die im Forum mal von Andreas Müller vorgestellt wurde. Dort kamen die Xipheroceraten - wie in Diebrock - in Steinkernerhaltung heraus, allerdings bräunlich (zumindest oberflächlich limonitisiert).

Roger - da wir das Glück haben, mit Dir einen Muttersprachler in der Redaktion zu haben: Wenn Du Fehler findest, sag bitte mal kurz Bescheid. Es sollte mich fast wundern, wenn da nichts zu holen wäre...

Ich denke die 20-30 Minuten für so ein Abstract sind gut investiert. Mehr als darin steht, braucht man nicht um den Beitrag mit Interesse ansehen zu können.

Bei meinen eigenenen Beiträgen, werde ich wohl öfter mal ein Abstract beifügen.

Viele Grüße
Sönke

PS: Vielen Dank an Volker, der mir die Arbeit von COPE hat zukommen lassen.

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grenzton
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Beitrag von grenzton » Freitag 11. März 2011, 22:14

Hallo Sönke.

Ich finde das Niveau von Steinkern und deren Beiträge hat wirklich beachtliche Ausmaße erreicht!
Klasse Bericht Sönke, und das nicht nur aufgrund der sehr interessanten Thematik der bedornten Ammoniten.

Das ist wirklich positiv gemeint, denn das haust Du uns in Deinem tollen Bericht auch wieder schonungslos um die Ohren.

Danke, der Kalle
Ich möchte schlafend sterben wie mein Großvater und nicht schreiend wie sein Beifahrer!

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Triassammler
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Beitrag von Triassammler » Freitag 11. März 2011, 22:43

Hallo Sönke,

Dein Bericht ist ein Leckerbissen! Sehr schön leitest Du hier die Kriterien für ein Dimorphenpaar anhand eines anschaulichen Beispiels ab, worauf man in Zukunft gut wird verweisen können, wenn es darum geht, Kringelfremden das Konzept des Dimorphismus bei den Ammoniten zu erläutern.

Beim ersten Überfliegen des Artikels sah ich das Bild von dem zebrochenen Präparationszwischenergebnis und dachte mir schon: "Aha, wie ein waschechter Taxonom zerlegt Sönke seinen Fund nun Windung für Windung zwecks Untersuchung", wurde aber glücklicherweise gleich darauf im Text eines Besseren belehrt :lol:
Nach meiner Beobachtung ist der Makrokonch meist die seltenere und der Mikrokonch die häufigere Form, was auch in diesem Fall wieder zuträfe.
Was meiner begrenzten Beobachtung nach daran liegen könnte, dass das Erhaltungspotenzial von Außenwindungen oft nicht so gut ist wie das von Innenwindungen und deshalb nur als Innenwindungen erhaltene Makroconche logischerweise als Mikroconche gedeutet werden. Dies könnte eine teilweise Erklärung für den Mikroconch-Überschuss sein.

Bei dem englischen Abstract hat es mich dann völlig umgehauen: Wie ein Profi! Ich finde die Idee hervorragend, aus den von Dir bereits genannten Gründen.

Gruß,
Rainer
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Stenodactylina
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Beitrag von Stenodactylina » Freitag 11. März 2011, 23:40

Hi Sönke,

da sind schon ein paar klitzekleine Fehler drin, aber es ist trotzdem gut verständlich. Ich bin momentan ohne eigene PC unterwegs, kann Dir aber morgen oder übermorgen die Korrekturen durchgeben wenn Du willst.

Grüße, Roger
Grüße vom Bodensee! Roger.

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AndyS
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Beitrag von AndyS » Samstag 12. März 2011, 14:07

Paul / Sönke :

Es gibt sie in Schalenerhaltung, allerdings auch sehr selten, in Robin Hoods Bay, Yorkshire !

Anbei das Bild einer kleinen Dublette, 3.5 und 3 cm.
Sandgestrahlt mit Eisenpulver.

Man kann erkennen, daß die Dornen ca. 50 % der Windungshöhe erreichen...

Gruß,

AndyS
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Xipheroceras ziphus, Si2b, obtusum Subzone
Robin Hoods Bay / Yorkshire, UK
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Sönke
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Beitrag von Sönke » Samstag 12. März 2011, 19:58

Hallo Kalle, Rainer, Roger und Andy,

um vielleicht doch noch ein schalenerhaltenes Xipheroceras aufzutun, bin ich heute mal wieder in Diebrock gewesen. Die Halde ist in den vergangenen zwei Monaten wieder erheblich kleiner geworden. Gut vorstellbar, dass sie Endes des Jahres bereits vollständig abgetragen sein wird.
Das momentan an der Oberfläche befindliche Material ist leider nicht sehr fossilführend. Ich fand rund 6-7 Promicroceraten, wobei kein wirklich gutes Exemplar dabei war. Eines - zwar unvollständig - scheint aber (nach der ersten Ansehung) so eine Art Mundsaum zu haben... ich muss das aber erstmal wieder zusammenkleben.
Anbei zwei Fotos zum aktuellen Stand in Diebrock.

Danke an Andy für das Zeigen des bzw. der britischen Xiph´s! Auch da sieht man herrlich die "Promicroceras-Innenwindungen".
"Aha, wie ein waschechter Taxonom zerlegt Sönke seinen Fund nun Windung für Windung zwecks Untersuchung", wurde aber glücklicherweise gleich darauf im Text eines Besseren belehrt.
Rainer: Auch wenn mich manchmal interessieren würde, wie ein Ammonit von innen aussieht (Zopfkiel bei außen glatten Amaltheen oder ähnliches): Mutwillig aufbrechen werde ich die Viecher (bei ansprechender Erhaltung) wohl nie. Das machen nur die verwöhnten Malm-Spezies, die die Ammoniten aber auch lastwagenweise aus dem Steinbruch tragen und sich entsprechend leisten können Stücke zu zerlegen. :lol:

Roger: Nur zu! Ich arbeite das dann gerne ein.

Viele Grüße
Sönke
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Beitrag von Paul Winkler » Samstag 12. März 2011, 20:19

Hi Andy!

Vielen Dank für die Fotos! Es bestätigt meine Vermutung, dass diese Kerlchen sehr attraktiv waren ....
und natürlich immer noch sind... Wohl dem, der das Glück hat, eins zu erwischen.... :D

Liebe Grüsse Paul

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AndyS
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Beitrag von AndyS » Sonntag 29. Mai 2011, 16:38

Ich habe mir vor kurzem bei e-bay zur Vervollständigung meiner Sammlung eine Scherbe (10x5x3 cm) vom legendären "Marston Magna Marble" mit Promicroceras marstonensis geleistet.

(Wer die "Legende" nicht kennt : In Marston Magna, Somerset soll vor langer Zeit beim Graben eines Brunnens in ca. 25 m Tiefe eine größere Scholle eines dunklen, mit unzähligen Ammoniten (Promicroceras, Asteroceras, Xipheroceras) durchsetzten Gesteins gefunden worden sein.
Da dieses Material im Anschliff sehr dekorativ die mit bernsteinfarbenem Calcit und weißer Schale erhaltenen Ammoniten zeigt, hat man die Scholle damals in Grabsteine, Tischplatten und ähnliches verarbeitet.
Die Grabsteine sind dann über die Zeit auf dem lokalen Friedhof immer weniger geworden (sprich : von Sammlern einer anderen Verwendung zugeführt worden...), den Ursprung des Materials hat man seitdem nicht wieder gefunden - ab und an kommt dann etwas Material in den Handel...)

In der Picture Library des Londoner Natural Histoy Museums kann man so einen "Headstone" sehen :

http://piclib.nhm.ac.uk/results.asp?image=026774

Was hat das jetzt mit dem ursprünglichen Kontext des Threads zu tun ?
Nun, als ich das Stück letzte Woche zugeschickt bekam und auspackte,
habe ich beinahe auf den ersten Blick gesehen, daß da auch noch ein Xipheroceras mit schönen Stacheln mit dabei ist - ca. 3 cm Durchmesser.
Die Stacheln sind freistehend sicher nicht erhaltungsfähig, aber ich werde zumindest den Rücken des Xipheroceras noch etwas weiter freilegen, da er auch auf der anderen Seite der Scherbe rauskommt...

AndyS
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Marston Magna Marble 3.jpg
Xipheroceras sp. (ca. 3 cm) mit Stacheln in
Marston Magna Marble - er läuft rum !
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Marston Magna Marble 2.jpg
Xipheroceras sp. (ca. 3 cm) mit Stacheln in
Marston Magna Marble
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Scherbe Marston Magna Marble mit Promicroceras marstonensis
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Karsten
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Beitrag von Karsten » Sonntag 29. Mai 2011, 19:16

Wow, ein Superstück. Und wer weiß, wiee selten man an so etwas herankommt, kann das dann dementsprechend würdigen, dass dann noch ein Xipheroceras dabei ist, macht das Stück noch einmal seltener...
Grüße aus Kirchhellen,
Karsten

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Beitrag von Sönke » Sonntag 29. Mai 2011, 19:25

Hallo Andy,

ein hübsches und zugleich besonderes Stück - danke fürs Fotografieren und Vorstellen.
Das was da bis jetzt außer den Promicroceraten herausschaut, würde ich als Xipheroceras dudressieri deuten. So habe ich zumindest meine Herforder dieser Couleur bestimmt.

Wenn Du Lust hast, zeige uns doch noch ein weiteres Foto, wenn Du den Venter noch weiter freigelegt hast.

Viele Grüße
Sönke

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Beitrag von Karsten » Sonntag 29. Mai 2011, 20:09

Ich habe noch eine Seite mit schönen Bildern gefunden.

http://fossilspictures.wordpress.com/20 ... c-england/

Viel Spaß dabei!
Grüße aus Kirchhellen,
Karsten

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AndyS
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Beitrag von AndyS » Samstag 13. August 2011, 19:23

Ich war jetzt nochmal dabei und habe den Venter des Xipheroceras freigelegt - Bild anbei.

AndyS
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marston xiph.jpg
Xipheroceras sp.
Marston Magna Marble, ca. 2.5 cm Durchmesser
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Beitrag von Sönke » Samstag 13. August 2011, 19:49

Hallo Andy,

danke für das Foto - ist wirklich gut geworden und trennt offensichtlich recht gut. Das wünscht man sich bei den Xipheroceraten aus Herford-Diebrock auch jedes Mal. Aber wer da schon mal etwas präpariert hat, weiß... da trennt normalerweise sehr wenig (zumindest innen).

Viele Grüße
Sönke

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