Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

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Tapir
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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von Tapir » Freitag 17. November 2017, 08:38

Hallo Silvio (&@all)
janassa hat geschrieben:
Donnerstag 16. November 2017, 20:24
Insofern ist das eine tolle Fleißarbeit, über die man sich freuen kann, wenn man den KS nicht vor der Tür hat. Sonst lohnt der Aufwand eher
nicht.
just my two cents aus anderen Sammelregionen/Fossillagerstätten: mit dem Wegfall von immer mehr Aufschlüssen/Sammelmöglichkeiten kann sich das Aufwand-Nutzen-verhältnis schnell verschieben. Nicht für jene, die sich schon seit Jahren (Jahrzehnten) erfolgreich in einer bestimmten stratigraphischen Einheit regional verlustieren. Aber für "Anfänger" in dem Sammelgebiet durchaus.

Ob für den KS die Aufschluss- und Fundmöglichkeiten in den letzten Jahren optimaler geworden sind, kann ich nicht beurteilen (er steht bei mir ganz weit oben auf der Liste von dem, was ich geologisch noch sehen und nach Möglichkeit auch noch (paläontologisch/mineralogisch/geologisch) Belegstückenhaft besammeln will, also hoffe ich einfach mal darauf). Aber von anderen Fundstellen sehe ich, dass da präparatorisch mit großem Aufwand an Stücken präpariert wird, die zu guten Aufschlussverhältnissen noch als "rubbish" im Aufschluss verblieben oder großzügig an den Nachwuchs vergeben worden sind. Der Untere Jura von Grimmen in Vorpommern und und das Devon vom Pelm-Salmer Weg sind da (leider, sammlertechnisch) "gute" Beispiele.

Insofern: danke für den HP-Beitrag, danke für die Einblicke in den KS (eine überegional viel zu unterschätzte Fossillagerstätte), den Austausch dazu hier im Thread und mit der Hoffnung verbleibend, dass man sich vielleicht nochmal irgendwann auf den Halden dort sieht.

Besten Gruß von der Küste

Johannes
Glück auf!

Johannes Kalbe

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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von Acrodus » Freitag 17. November 2017, 14:12

Hallo zusammen,

ich finde es prima, wenn ausprobiert und getestet wird.
So kommt das Hobby und die Präparationstechnik vorwärts !
Vielen Dank für den informativen Theread !

Beste Grüße,
Acrodus

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janassa
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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von janassa » Freitag 17. November 2017, 20:41

Hallo,

@Christian / @alle:
Es ging nicht darum, es nicht zu probieren und dass es nie gelingt. Ich meine nur, dass es schwierig ist. KupferSCHIEFER heisst das Sedimentgestein(!) nicht für umsonst, Es bricht halt (meist) plattig (besonders verwitterte Stücke auf Halden, die uns ja jetzt nur noch bleiben) und wenn ein Fossil drin ist erst recht, weil es quasi eine Störung im Gestein darstellt. Ja, ich weiß, es gibt auch Gegenbeispiele, wo man sich abrackert oder gar nicht wagt, das Fossil da rauszukitzeln. So was hab ich auch noch liegen.
Es ist immer der bequemste und effektivste Weg zu spalten. Im KS findest du oft nur über Masse was und Spaltung, je mehr und schneller umso besser. Dann bricht das Fossil auch noch oft so, dass du es so belassen kannst, das ist an anderen Fundstellen nicht so. Das ist vielleicht der große Unterschied. Deshalb können solche "guten Stücke" nur ein Nebenprodukt beim Sammeln sein oder finden sich nur als Bruchstück.
Wenn man ein Spektrum an Fossilien finden will, dann ist das nur so schnell zu bewerkstelligen. Zudem gibt es unzählige Funde - wenn man gerade als Anfänger ein Spektrum sucht und die Halden nur abgeht, da schafft man schnell Masse - die bereits gespalten auf der Halde liegen.

Ich bin sicher nicht der beste Präparator, mangels Zeit. Günther Schaumberg (1922-2017) war der Beste, wenn es um manuelle Präparation ging. Er hat auch ein Reticulolepis-Belegstück perfekt präpariert. Insofern, versuch es doch einfach!
Ich hab auch zwei oder drei Stücke unter vielen, die nicht bröseln und nur aus Substanz bestehen - Spaltstücke. Es gibt eben nur Beobachtungen und selten ist etwas 100%ig. Wie die Köpfe von Acentrophorus, unter Dutzenden hast du mal einen mit Kopf und nicht nur das Schädeldach und unter 100 vielleicht mal einen gut erhaltenen, kompletten Kopf.

Als ich Protorosaurus- Knochen schleifen wollte, hieß es auch, ist Quatsch ist alles schwarz, bringt nichts. Und siehe da, perfekter Kontrast, Knochenlamellen und Knochenzellen (bzw. deren Hohlräume) waren sehr schön zu sehen. Also, Vieles selbst probieren und nicht (auf mich) hören!
Mein Grundsatz aus der reinen Erfahrung im Kupferschiefer, egal worum es geht (Bestimmung, Fundberichte, Größe usw.), ist seit Jahren:
GLAUBE NUR, WAS DU SELBST GESEHEN HAST. Ergo, ein gesundes Misstrauen schadet nicht.
Erst vor Kurzem gelang es mir den mehrfach abgebildeten und in der Literatur erwähnten "Orthoceras geinitzi" aus "Ilmenau" als nicht zum Fundort und nicht zum Zechstein gehörig zu identifizieren.

@Johannes:
Dann sag Bescheid, wenn du mal Zeit hast, in der Nähe bist. Sollte kein Problem sein.
Die Situation im Kupferschiefer ist seit Jahren relativ konstant mit etwas auf und ab. Halden gibt es noch genug aus allen Jahrhunderten. Abgefahren wurde schon zu DDR-Zeiten und wird sicher auch weiterhin, wo man mehr oder weniger sammeln kann. Die wenigen natürlichen Aufschlüsse bieten oft zu wenig Material, aber auch dort kann man was finden, auch Seltenes. Wer jammert und jahrelang lokal sammelt, hat schon fast alles. Raritäten findet man im Allgemeinen nur über die Zeit. Das ist überall so (außer glücklichen EInzelfunden). Für mich hat sich da nicht viel verändert. Es gibt auch nicht die Halde wo man alles findet und auf der anderen nichts. Die Chancen im Mansfelder Raum sind überall relativ gleich.
Genauso hat man mir mal vorgeworfen, durch meine Publikationen fremde Sammler anzuziehen, so dass Einheimische (Egoisten) nichts mehr finden würden. Doch gerade dadurch konnten viele Sammler erst ihre Funde bestimmen, nachlesen und im "Wert" einordnen. Es sind genug Material und FOSSILIEN für ALLE da, das war früher so und wird auch noch eine ganze Weile so bleiben. Nur Untertage-Funde, die gibt es nicht mehr - aber je nach wirtschaftlicher Situation - solange es noch KS unter unseren Füßen gibt - später wieder, da bin ich mir sicher. Ist nur vom schwankenden Kupferpreis und dem Bedarf abhängig, das war die vergangenen Jahrhunderte immer so, da spielen 20 oder 50 Jahre oder ein Sammlerleben keine Rolle.

Gruß Silvio
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Re: Das erste Mal ... im Mansfelder Kupferschiefer und die Präparation eines Palaeoniscum freieslebeni

Beitrag von Thomas_ » Samstag 18. November 2017, 07:11

Danke Für dein erstes Statement Silvio. Dadurch ist es eine interessante Diskussion mit vielen guten Argumenten geworden. Immer nur 'Danke für den tollen Bericht' ist ja auf die Dauer auch langweilig :wink:


Ich hatte gestern morgen auch schon angefangen was zu schreiben, es aus Zeitmangel dann aber verworfen. Es ging so in die Richtung, wenn man sich einer neuen Fazies nähert und dann an nicht ganz so guten Stücken experimentiert, dann ist es auf alle Fälle eine gute Möglichkeit, sich dem Material anzunähern, wie auch immer das Ergebnis ausfällt. Auch das Argument, dass man in einem Sammelgebiet oft nur wenig Zeit hat, weil man nur auf der Durchreise ist und nur mal eben etwas Material einsammelt, kenne ich aus eigener Erfahrung. Im nächsten Winter bastelt man dann halt an Material, dass die lokalen Sammler niemals bearbeiten würden. Im Mannsfelder Land war ich vor Jahren auch mal zwei Tage und habe mir ein paar mehr oder weniger vollständige Heringe eingepackt. Auf die arbeitsintensive Idee, so ein ungünstig gespaltenes Stück retten zu wollen, bin ich nicht gekommen, dafür bin ich wohl zu faul. Ich hätte auch sagen können, dafür habe ich zu wenig Zeit, aber ehrlich gesagt könnte man abends statt vor dem Fernseher zu sitzen oder zu surfen auch präparieren, darum habe ich ziemlichen Respekt vor dem Ergebnis dieser Präparation, auch wenn es dann nicht das Traumstück werden konnte.

Es wäre schön, wenn noch mehr Berichte über ungewöhnliche oder nicht perfekt ausgefallene Präparationen eingestellt würden. Wie man hier sieht, gibt es dann viele fundierte Ideen und Vorschläge, was man anders, vielleicht besser hätte machen können und alle haben was davon.

Thomas
:Goni:

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